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27. Januar 2016 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

Retten üben statt Schlittschuh laufen

Für das ehemalige Eisstadion eröffnet sich eine neue Perspektive: InfraServ-Schulungszentrum für Werkfeuerwehren

Burgkirchen.
Das Trauerspiel um die Keltenhalle wird sich womöglich noch dieses Jahr in Wohlgefallen auflösen. Bekanntlich kann die Gemeinde Burgkirchen das immer defizitäre Eisstadion seit der Finanzkrise im Jahr 2009 nicht mehr betreiben. Seitdem steht das Gebäude leer. Doch nun liegt ein Vorschlag aus dem Industriepark Werk Gendorf auf dem Tisch, aus der Keltenhalle ein zentrales Ausbildungszentrum für Werkfeuerwehren mit überregionaler Bedeutung zu machen.

Martin Siebert, Leiter der Werkfeuerwehr, präsentierte das von der InfraServ Gendorf getragene Konzept in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Burgkirchen: „Wir haben eine Idee, die schon sehr konkret ist. Sie müssen jetzt Ja oder Nein sagen“, so Siebert zu den Gemeinderäten, die selbstverständlich alle gerne Ja sagten (weiterer Bericht: Seite 27).

Nach Sieberts Worten gibt es für die Schulung von Werkfeuerwehren in Bayern einen großen Bedarf, der von den drei bayerischen Feuerwehrschulen in Geretsried, Regensburg und Würzburg nicht gedeckt werden kann. In dieser Marktlücke wolle die InfraServ Gendorf ein neues Geschäftsfeld aufbauen.

Überregionale Bedeutung

Durch die Anmietung der Keltenhalle solle ein zentrales Ausbildungszentrum mit optimalen Übungsmöglichkeiten außerhalb des Werksgeländes geschaffen werden. Nach Sieberts Angaben hat das bayerische Innenministerium bereits seine Zustimmung zur Ausbildungstätigkeit der Werkfeuerwehr Gendorf gegeben, da die Kriterien erfüllt werden. Bereits jetzt sei die Werkfeuerwehr Gendorf als Anbieter für Fortbildung im Bereich Feuerwehrwesen tätig. Die Qualifikation der Ausbilder sei vorhanden.

Zwar biete die neue Feuerwache im Industriepark auch für Schulungen Platz, doch der werde schon wieder knapp und reiche keinesfalls für ein Ausbildungszentrum von überregionaler Bedeutung. Außerdem stören laut Siebert Übungen den Produktionsablauf im Industriepark. Durch ein Schulungszentrum außerhalb des Werksgeländes entfallen auch die aufwändigen Zutrittskontrollen für externe Teilnehmer durch den Werkschutz. Siebert denkt an einen Übungsbetrieb von März bis Dezember, jeweils von Montag bis Samstag, von 8 bis 22 Uhr, samstags bis 18 Uhr, größtenteils in der Halle, aber auch auf einem Teilstück des Parkplatzgeländes. Die Monate Januar und Februar sollen übungsfrei sein und werden für die Revision verwendet.

In der Halle sollen fast alle Räume für Lehr- und Übungszwecke sowie die sozialen und sanitären Bereiche genutzt werden. Auch das Technikgebäude sei als Übungsraum eingeplant. Der Leiter der Werkfeuerwehr stellt sich zwei Schulungsräume im Obergeschoss vor sowie einen Planspiel- und Taktikraum im Erdgeschoss (ehemals Besucher-Sammelumkleide). Im Maschinenhaus soll die Ausbildung an einer simulierten Industrieanlage erfolgen. „Übungsgebäude“, Gerüste und eine Fahrstrecke sollen auf der ehemaligen Eisfläche und vor den Tribünen errichtet werden. Die Fläche unter der Osttribüne soll als Darstellungsmittellager dienen, die Fläche unter der Westtribüne soll für verschiedene Übungsszenarien genutzt werden.

Die ehemalige Wohnung im Obergeschoss könnte in ein Büro umfunktioniert werden. Die Sanitäreinrichtungen sowie Umkleiden müssen natürlich dem Stand der Technik entsprechen und wieder instandgesetzt werden. Im ehemaligen Restaurant soll ein Pausenraum eingerichtet werden. Automaten für Getränke und Verpflegung können durch die Gastronomie der InfraServ aufgestellt werden. Der Werkschutz wird die Bewachung des Gebäudes in der Nacht übernehmen. Auch die Abteilung Arbeitssicherheit der InfraServ wird sich um das Schulungszentrum kümmern.

Aufgrund des geltenden Genehmigungsstandes kann das Stadion nur als Sport- und Veranstaltungsstätte genutzt werden. Die gesamte Nutzfläche umfasst rund 4000 Quadratmeter. Zusätzlich bietet das Keltenhallen-Grundstück rund 11 000 Quadratmeter Freifläche und 150 Parkplätze. Die Genehmigungen für die Nutzungsänderung und damit auch für den Immissionsschutz müssen von der InfraServ Gendorf mit Unterstützung der Gemeinde Burgkirchen bei den Behörden beantragt werden.

Die InfraServ hat vor, die Keltenhalle und einen Teil des Parkplatzes von der Gemeinde langfristig anzumieten. Die Ausgestaltung der Verträge sowie die Aufteilung von Betriebs- und Investitionskosten müssen noch verhandelt werden. Sollte sich die Möglichkeit zur Benutzung des künftigen Ausbildungszentrums durch Freiwillige Feuerwehren ergeben, wird der Leiter der Werkfeuerwehr nach eigener Aussage dafür ein offenes Ohr haben. Zu denken sei ferner an eine Nutzung für weitere, nicht feuerwehrspezifische Ausbildungen, zum Beispiel Staplerschulung. Die künftige Feuerwehrschule soll nach Möglichkeit in die „Akademie der Werkfeuerwehren“, getragen vom Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft, eingebunden werden. Weitere Beteiligte sind die Bildungsakademie Inn-Salzach und der Werkfeuerwehrverband Bayern.

Betriebsbeginn: Ziel ist 1. Juli
Zunächst werde, so Siebert, die Lehrtätigkeit durch Ausbilder der Werkfeuerwehr und durch Honorarkräfte auf nebenamtlicher Basis sichergestellt. Zur technischen Betreuung (Reparaturen, Haustechnik, Übungsdarstellung, Mithilfe bei der Durchführung, Wartung) sollen ebenfalls Honorarkräfte tätig werden. Der Aufbau von Vollzeitstellen ist erst geplant, wenn sich eine wirtschaftliche Auslastung nachhaltig eingestellt hat. Ein großes wirtschaftliches Risiko erkennt Siebert nicht, obwohl man das private Schulungszentrum in der Keltenhalle natürlich nicht so günstig anbieten können wird wie die staatlich subventionierten Feuerwehrschulen. „Aber für Firmen, die Feuerwehr-Führungskräfte ausbilden müssen, stehen die Kosten nicht im Vordergrund“, meint Siebert. „Die Unternehmen haben Auflagenbescheide der Regierungen, die eine bestimmte Anzahl von Führungskräften für die jeweiligen Werkfeuerwehren fordern.“

Bauwerksschäden befürchtet Siebert nicht, denn es liegen mehrere Gutachten vor, die die Standsicherheit bescheinigen. Vorsorglich sagte Siebert, die Nachbarn müssten sich wegen Lärmbelästigung keine Sorgen machen, denn bei den Übungen rund um die Keltenhalle würde nicht mit „Tatü-Tata“ gefahren.

Einvernehmen mit der Gemeinde vorausgesetzt, sagte der Leiter der Werkfeuerwehr eine zügige Umsetzung des Projekts voraus. Als ehrgeiziges Ziel hat sich Siebert den Betriebsbeginn am 1. Juli gesetzt.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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