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24. August 2017 - Passauer Neu Presse

SKW – auf den letzten Drücker

Hauptversammlung heuer am letzten zulässigen Tag – Spekulationen zur Zukunft

München.
Mit Spannung erwarten Aktionäre der SKW Stahl Metallurgie AG die ordentliche Hauptversammlung in einer Woche. Ursprünglich für den 6. Juli anberaumt wurde sie mittlerweile auf den letzten zulässigen Termin verschoben, auf den 31. August.* Themen sind neben den Fragen zur Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat die Übernahme von Forderungen aus dem Konsortialkreditvertrag in Höhe von 74 Millionen Euro sowie die Entscheidung zu einem Vergleich aus Zivilklagen gegen frühere Vorstandsmitglieder.

Die Kreditgeber der SKW Stahl-Metallurgie Holding AG haben sich „grundsätzlich mit dem branchenerfahrenen Finanzinvestor Speyside Private Fund Advisers LLC, New York, USA auf die Konditionen verständigt, zu denen das strategisch ausgerichtete Private Equity Unternehmen die Forderungen aus dem Konsortialkreditvertrag in Höhe von 74 Millionen Euro von den Kreditgebern übernehmen will“, meldet die SKW. Was so optimistisch klingt, ist bei vorsichtigem Blick auf das Unternehmen und sein Erscheingsbild ein heikles Terrain.

„Dieses Term Sheet ist ein Durchbruch bei unseren gemeinsamen Anstrengungen, mit einer gesunden Bilanz und deutlich gestärktem Eigenkapital SKW auf dem Weltmarkt nachhaltig repositionieren zu können“, kommentiert Dr. Kay Michel, Alleinvorstand der SKW Stahl-Metallurgie Holding AG. Um die Entschuldung der SKW Stahl-Metallurgie Holding AG zu erreichen, wird dabei auch über die Umwandlung von Kreditforderungen in Eigenkapital mittels einer Kapitalerhöhung gegen Sacheinlagen (Debt-to-Equity-Swap) verhandelt werden. Über die genauen Konditionen und Maßnahmen zur nachhaltigen bilanziellen Sanierung soll auf einer weiteren, nachfolgenden Hauptversammlung entschieden werden.

Was auf den ersten Blick optimistisch klingt, interpretiert die Zeitschrift Wirtschaftswoche vom 21. Juli denkbar skeptisch: „SKW-Aktionären droht drastischer Kapitalschnitt“, titelt das Blatt und berichtet: „SKW leidet unter hohen Schulden. Zuletzt hatte das Unternehmen nur noch gerettet, dass die Banken sich für einen begrenzten Zeitraum bereit erklärten, ihre Forderungen nicht fällig zustellen. Dem Vorstand war es über Monate nicht gelungen, eine Umschuldung auszuhandeln.“

Und weiter meldet die Wirtschaftswoche, dass offenbar weitere Maßnahmen im Raum stehen, durch die die bisherigen Aktionäre fast vollständig enteignet werden könnten. Es existiere ein „interner Plan, wonach den Aktionären im Rahmen einer Hauptversammlung zudem ein Kapitalschnitt im Verhältnis 10:1 vorgeschlagen werden sollte. Wie bereits berichtet, wollte der Sprecher der SKW, Thomas Schulz, diesen Bericht auf Rückfrage von Heimatwirtschaft nicht weiter kommentieren und nannte ihn Spekulationen.

Thema der Hauptversammlung am Donnerstag, 31. August, ist auch ein vor dem Landgericht Traunstein in einem Zivilverfahren ausgehandelten Vergleich der SKW mit der früheren Vorstandsvorsitzenden und dem früheren Finanzvorstand sowie der D&O-Versicherung CNA Insurence Company. (D&O-Versicherung heißt: Directors-and-Officers-Versicherung, auch Organ- oder Manager-Haftpflichtversicherung und ist eine Vermögensschadenhaftpflichtversicherung, die ein Unternehmen für seine Organe und leitenden Angestellten abschließt. Quelle: Wikipedia).

Anlass des Streits, so der Text zur Einladung zur kommenden Hauptversammlung, waren „Vermögenseinbußen aus und in Zusammenhang mit der Gründung, Finanzierung und Geschäftsführung des Joint Ventures SKW-Tashi Metals & Alloys Ltd. („Projekt Bhutan“) und dem Erwerb des Kalziumkarbidwerks in Schweden sowie der Finanzierung und Geschäftsführung in Bezug auf die SKW Metallurgy Sweden AB („Projekt Schweden“). Der Vergleich kann nur mit Zustimmung der Hauptversammlung wirksam werden. Der komplette und komplexe Wortlaut der Vergleichsvereinbarung findet sich auf der Internetseite der SKW.

Der Aktienkurs hat sich im Juli nach der Meldung des Forderungsverkaufs (konkret: Gläubigerwechsel) etwas erholt. Am 23. Juni dieses Jahres hatte er mit 1,91 Euro beinahe den absoluten Tiefstand vom 9. November 2016 erreicht. Damals war der Kurs auf 1,90 Euro abgesackt. Vor gut zehn Jahren, am 13. Juli 2007, hatte der Kurs 41,98 Euro betragen. Ein gutes halbes Jahr zuvor, im IV. Quartal 2006, war die Aktie mit rund 30 Euro an der Börse gestartet.

Insgesamt 6 544 930 Stückaktien des Konzerns befinden sich laut Unternehmensangaben zu 100 Prozent in Streubesitz. Diese Anzahl an Aktien bedeutet zum Ausgabekurs eine Kapitalisierung von rund 196,3 Millionen Euro. Zum Zeitpunkt des höchsten Kurses, am 13. Juli 2007, mit 41,98 Euro, entspricht das einer Kapitalisierung, also dem Summenwert aller ausgegebenen Aktien, von 274,8 Millionen Euro.

Im September 2014 lag der Börsenwert nur mehr bei rund einem Zehntel dieses Spitzenwertes. Bei einem Kurs von rund vier Euro waren das ca. 26,2 Millionen Euro. Bei einem Kurs von 1,90 Euro nur noch 12 435 367  Euro. Gestern bei Redaktionsschluss lag der Kurs bei 2,28 Euro.

Der Konzern erzielte 2016 einen gerundeten Gesamtumsatz von 230 Mio. Euro und beschäftigt rund 560 Mitarbeiter (Stand 31. Dezember 2016). Die Zentrale wurde vor wenigen Jahren aus Unterneukirchen nach München verlegt. Dort ist nur ein Bruchteil der Gesamtbelegschaft beschäftigt.

Der SKW Metallurgie Konzern ist laut eigenen Angaben Weltmarktführer bei chemischen Zusatzstoffen für die Roheisenentschwefelung sowie bei Fülldrähten und anderen Produkten für die Sekundärmetallurgie. Der SKW Metallurgie Konzern blickt auf mehr als 50 Jahre metallurgisches Know-how zurück und ist in mehr als 40 Ländern aktiv. Die Zentrale des SKW Metallurgie Konzerns befindet sich in München; die Produktionsstandorte liegen in Frankreich, den USA, Kanada, Mexiko, Brasilien, Südkorea, Russland, der VR China und Indien (Joint Venture).

* Das Aktiengesetz, § 120, schreibt vor, dass die Hauptversammlung in den ersten acht Monaten des Geschäftsjahres über die Entlastung der Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat zu beschließen hat.

Quelle: Passauer Neue Presse

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