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22. März 2017 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

Ein Auge aufs Werk Gendorf, das andere auf den Campus Burghausen

Zwar sieht man in Gendorf den Bau eines neuen Technikums als losgelöst vom Hochschul-Thema, Vorbereitungen für eine Kooperation aber laufen bereits

Burgkirchen.
Die Hochschule im benachbarten Burghausen haben sie in Gendorf natürlich im Blick. Doch gebaut werden soll in erster Linie nicht für den Campus, sondern fürs Werk und den eigenen Nachwuchs. Bis zu acht Millionen Euro nimmt die InfraServ GmbH in die Hand, um ein neues „Lehrtechnikum“ zu errichten. Ende 2019 soll es in Betrieb gehen – und in den Jahren darauf womöglich auch den angehenden Ingenieuren zugute kommen.

Dass der Chemiepark Gendorf über eine Kooperation mit dem Campus Burghausen künftig mit im Hochschul-Boot sitzen könnte, darüber hatte die Heimatzeitung bereits am Samstag berichtet. Am Montag konkretisierten InfraServ-Geschäftsleiter Dr. Bernhard Langhammer und sein Team die Pläne. Sie stehen in Zusammenhang mit dem geplanten Neubau des Lehrtechnikums, jener Einrichtung der Bildungsakademie Inn-Salzach (BIT), in der sich künftige Chemikanten an Prozesskomponenten und Anlagen versuchen können, mit denen sie es im späteren Berufsleben im Werk tagtäglich zu tun haben.

Das bisherige Gebäude stammt aus dem Jahr 1972 und ist entsprechend aufwändig im Unterhalt. Anstatt den Bestand für 3,5 Millionen Euro zu sanieren, investiert InfraServ lieber gleich die gut doppelte Summe und baut neu. Statt wie bisher rund 300 Quadratmeter steht dann mehr als doppelt so viel Platz zur Verfügung, dazu kann alles so konstruiert werden, wie es der Ausbildung am besten nützt, inklusive getrennten Schulungs- und Praxisräumen. Auch können BIT-Leiter Jochen Volbracht zufolge dann mehr Chemikanten gleichzeitig ausgebildet werden. Bislang sind es pro Lehrjahr maximal 45 – eine Grenze, an der sich der Chemiepark zuletzt ständig bewegte. Für die Zukunft rechnen Volbracht und Langhammer mit einem noch höheren Bedarf an Chemikanten. Entsprechend wird die Kapazität auf 54 Azubis pro Lehrjahr ausgeweitet.

Erweiterbar soll auch das Gebäude selbst sein. Was im Herbst 2019 mit 740 Quadratmetern beginne, könne problemlos um weitere 500 Quadratmeter ausgebaut werden, sagte Volbracht am Montag. Mit dieser Option schielt der Chemiepark auch nach Burghausen. Die Interessen des dortigen, immer stärker auf den Chemiebereich fokussierten Hochschulstandorts, haben die Idee reifen lassen, in Sachen Technikum mit Gendorf zu kooperieren, anstatt für rund 20 Millionen Euro ein eigenes Technikum- und Laborgebäude zu errichten. Es wäre die weitaus wirtschaftlichere Variante, so die Meinung etwa von Burghausens Bürgermeister Hans Steindl.

Im Chemiepark stößt der Vorschlag durchaus auf Gegenliebe. Natürlich gebe es grundsätzlich Interesse an einer Zusammenarbeit, sagte Dr. Bernhard Langhammer am Montag. Schließlich sei es vorrangiges Ziel des Hochschulablegers, ein möglichst an die Anforderungen der Industrie angelegtes Studium zu bieten.

Konkrete Pläne aber gibt es Langhammer zufolge bislang nicht – unter anderem deswegen, weil die Professuren erst am entstehen sind und demzufolge nicht klar sei, welche Lehrinhalte die Dozenten angehen wollen. Man warte jetzt auf Entscheidungen und werde dann schauen, inwieweit diese mit den Plänen der Bildungsakademie zusammenpassen, so der InfraServ-Leiter.

Dass eine Kooperation mit dem Campus Burghausen, die bis zu einem Hochschulstützpunkt führen könnte, von der BIT jedoch bereits mit Interesse verfolgt wird, zeigt die im Raum stehende Idee, langfristig die gesamte Akademie umzubauen – und sie komplett aus dem umzäunten Werksbereich herauszulösen. Der Zugang würde damit für Nicht-Werksangehörige – Studenten etwa – erleichtert.

Selbst eine direkte Anbindung an den im geschützten Werksbereich liegenden Bahnhaltepunkt ist für Langhammer vorstellbar. Zu Fuß wären es dann nur wenige hundert Meter zum Zug – nicht mehr als zwischen Hochschulcampus und Bahnhof Burghausen. „Und die Zugfahrt selbst dauert auch nur zehn Minuten“, sagte Langhammer am Montag.

Einen zu großen Andrang auf das Technikum fürchtet der Chemiepark-Leiter infolge einer Kooperation mit Burghausen nicht. Bei der Ausbildung der Ingenieure stehe mehr die Theorie im Mittelpunkt. Die Zeiten, in denen die Studenten ins Technikum müssen, seien im Normalfall sehr beschränkt.

Starten sollen die Arbeiten für den Neubau des Lehrtechnikums noch heuer. Ein auf dem vorgesehenen Platz gelegenes, seit Jahren leerstehendes Gebäude soll bis Jahresende abgerissen werden. Gebaut würde dann in den Jahren 2018 und 2019. Die Inbetriebnahme könnte im Herbst 2019 erfolgen. Der Hochschule in Burghausen käme man damit wohl gerade recht – schließlich rechnen die Verantwortlichen dort spätestens 2019 mit dem Startschuss für zwei weitere Studiengänge, beide aus dem Chemiebereich. Die bisherigen Kapazitäten am Burghauser BBiW wären dann wohl erschöpft, hieß es zuletzt bereits gegenüber der Heimatzeitung.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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