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21. Januar 2017 - Passauer Neue Presse

AlzChem – Börsengang bringt einen Bonus

Erlös aus neuen Aktien für neue Anlage am Standort Trostberg – Interview mit Vorstandsvorsitzendem Ulli Seibel

Trostberg.
Die AlzChem AG strebt, wie berichtet, an die Börse. Was das für die Mitarbeiter bedeutet, dazu steht Ulli Seibel, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Rede und Antwort.

Herr Seibel, die erste Frage ist natürlich, wird sich durch den Börsengang für die Mitarbeiter an den Standorten der AlzChem AG, vor allem in der Zentrale in Trostberg etwas ändern?
Ulli Seibel:
Für die Mitarbeiter bleibt alles wie gehabt. Arbeitsverträge, tarifliche Vereinbarungen, Betriebsvereinbarungen und dergleichen bleiben vom Börsengang unberührt und gelten natürlich weiterhin. Durch den Börsengang hat die AlzChem allerdings mehr Chancen auf weiteres Wachstum, und das bedeutet natürlich auch Chancen auf mehr Arbeitsplätze und auch noch mehr Sicherheit für die Arbeitsplätze.

Das Handelsblatt hat in seiner Online-Ausgabe am Montag in Verbindung mit dem geplanten Börsengang der AlzChem spekuliert, dass das wohl der Einstieg der Alteigentümer in den Ausstieg sei. Wollen sich die Alteigentümer tatsächlich aus dem Engagement bei AlzChem zurückziehen?
Ulli Seibel:
Also Spekulationen kann und möchte ich nicht kommentieren. Aber das Konzept zum Börsengang sieht, wie berichtet, vor, dass 40 bis 50 Millionen Euro durch die Ausgabe neuer Aktien erlöst werden und dass über 50 Prozent der Aktien in Zukunft in Streubesitz sind. Diese Quote ist für viele Investoren ein interessantes Kriterium für ein Engagement. Und das bedeutet natürlich, dass sich die bisherigen Aktionäre von Anteilen trennen werden. Das haben wir ja angekündigt. Seriöse Aussagen über das Gesamtvolumen sind erst möglich, wenn ein genehmigtes Börsenprospekt vorliegt und die Angebotsparameter definiert sind.

Wer entscheidet denn über die Genehmigung eins Börsenprospektes?
Ulli Seibel:
So ein Börsenprospekt kann einschließlich aller Kennzahlen ein paar hundert Seiten umfassen. Für die Genehmigung ist in unserem Fall die BaFin, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, zuständig.

Das Handelsblatt hat außerdem mit Bezug auf nicht näher benannte Insider das Gesamtvolumen des Börsengangs auf rund 200 Millionen Euro geschätzt. Bei einer geplanten Emission von Aktien mit einem Volumen von 40 bis 50 Millionen Euro, hieße das, die Alteigentümer würden sich von einem Aktienpaket im Wert von rund 150 Millionen Euro trennen. Stimmen die Zahlen aus dem Handelsblatt?
Ulli Seibel:
Wie schon gesagt, Spekulationen zur geplanten Umplatzierung kann und möchte ich nicht kommentieren. Die Details geben wir zur gebotenen Zeit bekannt. Die Transaktionsstruktur sieht zudem vor, dass sich die bisherigen Aktionäre verpflichten, nach dem Börsengang der AlzChem zwölf Monate lang keine weiteren Aktien des Unternehmens mehr zu verkaufen.

Wird es ein spezielles Programm für Mitarbeiter der AlzChem und ihrer Tochterunternehmen geben, das sie bei Aktienerwerb in einem bestimmten Umfang bevorzugt?
Ulli Seibel:
Nein, das ist nicht vorgesehen. Es wird kein Friends- und Family-Programm gegen. Und das schließt auch Sonder-Programme für Mitarbeiter aus. Die Regulatorik ist hier im Lauf der vergangenen Jahre zu kompliziert geworden. Allerdings profitieren die Mitarbeiter beim Börsengang unmittelbar durch einen vereinbarten Sonderbonus in Höhe eines Monatsgehalts. Diesen Bonus können Mitarbeiter natürlich nutzen, um Aktien zu kaufen, aber ganz regulär, wie andere Interessenten auch.

Glauben Sie, dass Mitarbeiter einen „SKW-Metallurgie-Effekt“ befürchten. Die Stahl-Metallurgie-Sparte der ehemaligen SKW Trostberg AG ist schließlich vor elf gut zehn Jahren recht erfolgreich an der Börse platziert worden. Leider hat die Aktie seither rund 90 Prozent an Wert verloren. Oder sehen Sie die AlzChem, die ebenfalls aus der alten SKW Trostberg AG hervorgegangen ist, vor diesem Effekt gefeit?
Ulli Seibel:
Die Entwicklung bei anderen Unternehmen kann und will ich nicht kommentieren. Die AlzChem sehen wir bestens aufgestellt. Seit 2013 haben wir rund 95 Millionen Euro investiert, unter anderem in Forschung und Entwicklung, in neue Anlagen und in die Logistik. Wir besetzten recht erfolgreich interessante Nischenmärkte im Bereich der Gesundheit, der Ernährung, in der Umwelttechnik und bei Spezialchemikalien, die zum Beispiel in der Photovoltaik zur Prozessoptimierung zum Einsatz kommen. Aufgrund unserer umfassenden vertikalen Integration, also einer langen Wertschöpfungskette im eigenen Haus, haben potenzielle Wettbewerber außerdem hohe Hürden zu überwinden. Kurz gesagt: Ich bin recht zuversichtlich, dass die AlzChem sich gut weiter entwickeln wird.

Wie wird das Geld aus dem Börsengang investiert? Nachhaltig im Sinne der Aktionäre?
Ulli Seibel:
Mit Sicherheit. Wir planen bereits den Bau einer neuen Anlage zur Herstellung von CreAMINO im Chemiepark in Trostberg. Hier haben wir noch ausreichend Platz. Und hier sind die Planungen bereits angelaufen. Für den Bau dieser Anlage sind die Erlöse aus der Ausgabe neuer Aktien vorgesehen. In Trostberg ist die Anlage außerdem gut platziert, sie passt in den Produktionsverbund. Und hier haben wir auch die Mitarbeiter mit der notwendigen Kompetenz und dem Spezialwissen.

Werden damit auch neue Arbeitsplätze geschaffen?
Ulli Seibel: Davon ist auszugehen. Im Augenblick laufen bereits die vorbereitenden Planungen für die neue Anlage. So ein Projekt dauert zwei bis drei Jahre.

Wird der Börsengang Auswirkungen auf die Standortentwicklungsvereinbarung haben? Sind hier Änderungen oder eine Neuauflage im Gespräch oder angedacht?
Ulli Seibel:
Diese Vereinbarung hat den Status einer Betriebsvereinbarung und gilt weiterhin, wie seit dem Jahr 2007. Sie ist erst im vergangenen Jahr verlängert worden. Darin sind zum Beispiel Fragen der Arbeitszeiten, des Kündigungsschutzes und der Ausbildungsquoten geregelt. Außerdem enthält diese Vereinbarung bereits eine Option auf einen Börsengang, eben mit der Zusage eines Bonus für die Mitarbeiter in Höhe eines Monatsentgeltes.

CreAMINO ist nun auch in den USA zugelassen. Wird es künftige eine Produktion in den USA geben, wo doch dort der neue Präsident Investitionen im Land so sehr forciert?
Ulli Seibel:
Für AlzChem ist es ein wichtiger Erfolg, dass wir seit dem vergangenen November die Marktzulassung für unser Produkt CreAMINO in den USA haben. Aber wie gesagt, wir sind gerade bei der Planung einer neuen Produktionsanlage für den Standort Trostberg.

Wie sehen Sie die AlzChem AG in fünf Jahren aufgestellt? Neue Produkte? Neue Schwerpunkte? Neue Marktsegmente?
Ulli Seibel:
In jedem Fall sehr gut aufgestellt: Wie bereits gesagt, die AlzChem besetzt vielversprechende Nischen in den aktuellen Megatrends wie Gesundheit, Ernährung, Umwelt und Energie. In vielen Marktsegmenten besetzen wird die Position Nummer 1 oder zählen wenigsten zu den Top 3 und das weltweit, wie uns eine unabhängige Marktstudie bestätigt. Mit den Investitionen in den vergangenen Jahren und der Kompetenz bei den Mitarbeitern im Haus sehe ich die besten Voraussetzungen für ein gesundes Wachstum.

Das Interview für Heimatwirtschaft führte Ernst Deubelli

Weitere Details zum geplanten Börsengang auf der Internetseite: www.alzchem.com unter dem Stichwort IPO

Quelle: Passauer Neue Presse

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