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20. Mai 2017 - Passauer Neue Presse

Wacker Konzern sieht sich auf gutem Kurs

Aktionäre sprechen in der Hauptversammlung dem Vorstand mit 99,99 Prozent das Vertrauen aus

München/Burghausen.
Die Wacker Chemie AG erwartet nach einem guten Geschäftsjahr 2016 für das laufende Jahr weitere Zuwächse beim Umsatz. Das machte Dr. Rudolf Staudigl, Vorstandsvorsitzender der Wacker Chemie AG, in der Hauptversammlung deutlich. „Wir wollen unseren Umsatz in diesem Jahr um einen mittleren einstelligen Prozentsatz steigern“, sagte Dr. Staudigl gestern vor rund 1000 Aktionären im Internationalen Congress Center München.

Mit einem Ergebnis von 1,08 Milliarden Euro, fünf Prozent über dem Ergebnis des Vorjahres, und einem Umsatz in Höhe von 5,4 Milliarden Euro bilanzierte der Vorstandsvorsitzende 2016 als „ein gutes Jahr für Wacker“. Der Jahresüberschuss liegt bei über 189,3 Millionen Euro, rund 50 Millionen niedriger auf Grund höherer Abschreibungen. Der Netto-Cash-Flow zeigt einen deutlichen Anstieg von 22,5 auf mehr als 400 Millionen Euro.

„Diese Leistung ist das Ergebnis harter Arbeit und des hervorragenden Teamgeistes unserer mehr als 17 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern überall auf der Welt“, würdigte der Vorstandsvorsitzende die Leistung des gesamten Teams unter dem Beifall der Aktionäre. Zugleich betonte Dr. Staudigl den hohen Stellenwert der Ausbildung: Rund 600 Auszubildende lernen aktuell in 20 Berufen.

Mit einer Zustimmung von 99,99 Prozent stimmte die Hauptversammlung für eine Dividendenausschüttung von zwei Euro je Aktie, wie es Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagen hatten. Auch die Entlastung des Vorstands erfolgte mit über 99 Prozent, die Entlastungs des Aufsichtsrats mit über 96 Prozent. In der Hauptversammlung waren 43 637257 Aktien vertreten. Das entspricht 83,67 des stimmberechtigten Grundkapitals.

Insgesamt schüttet Wacker damit die Hälfte des Jahresüberschusses, bezogen auf das zurechenbare Ergebnis aus. Positiv quittierten Aktionäre in Wortmeldungen die Ankündigung, das auch in den kommenden Jahren die Hälfte das Jahresüberschusses als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden soll.

Ein besonderes Augenmerk lenkte Dr. Staudigl auf das Wachstum im Geschäftsbereich Silicone, der seit 1947 aus bescheidensten Anfängen zum mittlerweile stärksten Geschäftsbereich ausgebaut wurde. Heute, 70 Jahre später, ist WACKER der zweitgrößte Siliconhersteller der Welt mit einer Produktionsmenge von mehr als 460 000 Tonnen, verteilt auf über 3000 unterschiedliche Produkte, mit Kunden in über 100 Ländern der Welt und mit einem Umsatz, der 2016 zum ersten Mal die Zwei-Milliarden-Euro Grenze übersprungen hat. (Zu weiteren Ergebnissen berichtete Heimatwirtschaft bereits nach der Bilanzpressekonferenz im März.)

Für die weitere Unternehmensstrategie stellte Dr. Staudigl in der Hauptversammlung fünf Schwerpunkt-Ziele bis 2020 vor: Ausbau der Produktionskapazitäten mit Investitionen, die unterhalb der Abschreibungen liegen; weiteres Wachstum über dem Durchschnitt der Chemieindustrie; attraktive Margen für die Produkte; verstärkter Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit und Stärkung des Mittelzuflusses aus dem operativen Geschäft.

Ergänzend zu diesen strategischen Zielen definierte Dr. Staudigl drei Handlungsfelder in der Digitalisierung: Entlang der Wertschöpfungskette sollen Prozessabläufe optimiert, Mehrwert geschaffen und Effizienz- und Produktivitätsgewinne erzielt werden; neue Geschäftsmodelle sollen mit passenden Produkten, Technologien oder Dienstleistungen besetzt werden und: WACKER will Schritt halten mit den Digitalisierungstrends bei den Kunden.

Für den Aufsichtsrat betonte Vorsitzender Dr. Peter-Alexander Wacker, dass die Phase der hohen Investitionen mit dem Aufbau des neuen Standorts in Charleston in Tennessee abgeschlossen sei. Er nannte dieses Werk einen Meilenstein sowie einen mutigen und wichtigen Schritt. In der neuen Etappe der Ausrichtung sollen nun die Früchte bis 2020 geerntet werden. Als Ziel nannte er organisches Wachstum, Abbau der Nettofinanzverschuldung und Zufluss liquider Mittel. Damit soll außerdem das Fundament gelegt werden für nächste kapitalintensive Stufe des Wachstums.

Sowohl der Vorsitzende des Vorstands wie auch der Vorsitzende des Aufsichtsrat betonten rückblickend den günstigen Zeitpunkt, sich bei gutem Marktumfeld von 20 Prozent an den Anteilen an der Siltronic getrennt zu haben, bekannten sich aber auch zu einer weiterhin engen Partnerschaft zur einst 100-prozentigen Tochter . Sie sehen zugleich gutes Potenzial für die Siltronic für die kommenden Jahre. (Heimatwirtschaft berichtete dazu am 11. Mai nach der Hauptversammlung. )

Fragen von Aktionären zielten auf Pläne für kommende Investitionen in größerem Maßstab, aber auch auf Pläne zum verbleibenden Anteil an der Siltronic in Höhe von 30,8 Prozent. Eine Veränderung sei bei der Beteiligung an der Siltronic in absehbarer Zukunft nicht geplant, erklärte Dr. Staudigl.

Ein weiterer Aktionär fragte kritisch nach Abschreibungen und Margen in ungünstigen Verhältnissen, gerade bei Polysilicium. Dr. Staudigl erklärte die niedrigen Margen mit dem Einsetzen hoher Abschreibungen für neue Anlagen bei noch geringer Produktion und zugleich Anlaufkosten des neuen Werks in Charleston/Tennessee. Das Verhältnis werde sich aber in absehbarer Zukunft ändern, wenn die Produktion steigt und die Abschreibungen sinken.

Enge Margen, so ergänzte Dr. Staudigl, rührten allerdings auch von einem hohen Preisdruck auf dem Weltmarkt. Polysilicium sei aber das „Arbeitspferd der Solarindustrie“ und werde es bei wachsender Nachfrage auch bleiben. Die gleichen Trends sieht er bei Bedarf und Nachfrage in der Halbleiter-Industrie.

Wohin soll in der nahen Zukunft das verdiente Geld fließen? Das war der Tenor weiterer Aktionärsfragen: Ordentliche Dividende, Nettofinanzverschuldung reduzieren, aus eigener Kraft wachsen, aber auch kleine Akquisitionen und Joint Ventures bleiben dazu im Visier, führte Dr. Staudigl aus.

Neu im Aufsichtsrat begrüßte Vorsitzender Dr. Peter-Alexander Wacker Barbara Kraller, stv. Vorsitzende des Wacker-Betriebsrats. Sie ist im April in ihrem Mandat vom Amtsgericht München bestellt worden und rückt letzten Endes für den langjährigen stv. Vorsitzende des Aufsichtsrats, Anton Eisenacker, nach. Der langjährige Betriebsratsvorsitzende der Wacker Chemie in Burghausen war zum Ende des vergangenen Jahres wegen Eintritts in den Ruhestand aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Sein Nachfolger, Hans-Georg Schuster, Mitarbeiter der Siltronic AG, schied aufgrund der Entkonsolidierung bereits im März dieses Jahres wieder aus dem Aufsichtsrat aus.

Der Geschäftsbericht des Unternehmens und der vollständige Bericht des Vorstandsvorsitzenden in der Hauptversammlung finden sich im Internet auf www.wacker.com

Quelle: Passauer Neue Presse

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