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18. Oktober 2017 - Burghauser Anzeiger

50 Jahre Ölzeitalter am Industriestandort Burghausen

Marathon bekam am 18. Oktober die Betriebsgenehmigung – Produktion begann im Frühjahr darauf – Frühere Mitarbeiter blicken zurück

Burghausen.
„Es hat mir schon getaugt, das war eine schöne Zeit.“ So wie Heinz Reichel können viele, die schon in den Anfangsjahren Ende der 1960er, Anfang 70er, bei der damaligen Marathon mit dabei waren, nur positiv über ihren Arbeitgeber sprechen. Vielleicht ist auch das ein Geheimnis, wie es die Raffinerie in Burghausen auf mittlerweile 50 Jahre gebracht hat – am 18. Oktober 1967 hat diese die offizielle Betriebsgenehmigung erhalten.

Einen Festakt zu diesem runden Jubiläum wird es am 2. November im Stadtsaal geben, sagt Thomas Bauer, bei der OMV zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Und das mit prominenten Gästen: Geplant sind Auftritt der bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner sowie vom Vorstandsvorsitzenden der OMV, Rainer Seele, und Bereichsvorstand Manfred Leitner.

Ein paar Fragen können aber auch sie, trotz aller Expertise, nicht beantworten: Wie war es für die Mitarbeiter der ersten Stunde? Welche besonderen Erinnerungen gibt es? Die Heimatzeitung hat mit drei ehemaligen Angestellten über ihre Anfänge bei der damaligen Marathon gesprochen.

Heinz Reichel hat 1972 angefangen, da war die erste Marathon-Tankstelle in Burghausen bereits eröffnet und Betriebsgenehmigung für das Werk schon ein paar Jahre alt. Die ersten paar Jahre hat er bei den so genannten „Wulf-Anlagen“ verbracht, ehe er in die Verladungs-Abteilung gewechselt ist. „Die Arbeit an den Wulf-Öfen war damals wahrscheinlich der heißeste Arbeitsplatz überhaupt. Da hast du auch im Winter schwitzen müssen“, erinnert sich der ehemalige Anlagenfahrer mit einem Lachen. Temperaturen von 80 Grad seien da keine Seltenheit gewesen.

Gewohnt war Reichel ein solches Umfeld nicht, schließlich war der 67-Jährige ein Quereinsteiger: „Ich hatte bei der Post gelernt. Da hatte ich schon Glück, dass ich überhaupt hier anfangen hab können.“ Bereut hat er diesen Schritt nie: „Es war eine tolle Zeit für mich, nicht nur in Burghausen, sondern auch, als wir in Feldkirchen aushelfen durften.“

Ein „sehr angenehmer Arbeitsplatz“ sei es gewesen, auch wenn sich im Laufe der Jahre – und hier sind sich alle drei Ex-Marathonler einig – sehr viel verändert hat. „Wir waren zum Schluss viel weniger Leute als noch am Anfang“, das habe mit Sicherheit mit der immer wachsenden technischen Ausstattung zu tun.

Reichel erinnert sich aber auch an schwierigere Zeiten, als man aus den USA versuchte, immer mehr Geld aus der Marathon gewinnen zu können. „Da hat man dann gesehen, dass es mit dem Umfeld immer schlechter geworden ist.“ Erst mit der Übernahme der damaligen ÖMV Mitte der 80er Jahre habe sich die Situation dann wieder gebessert. Für Reichel war 2011 Schluss, die letzten elf Jahre hatte er bei der heutigen Borealis verbracht.

Seit 15 Jahren in Rente, aber mit 36 Dienstjahren ein Mann der ersten Stunde ist Hans Huber. „Ich bin 1967 dazugestoßen, da war die Rodung des Marktler Waldes gerade vorbei“, erinnert er sich. Es war die Zeit, als gerade die Aufbauten losgegangen sind. „Man hat gewartet, bis alle Anlagen und Maschinen hochgefahren waren. Natürlich hat es die eine oder andere Panne gegeben.“ Mal habe die Baufirma etwas vergessen gehabt, mal habe die Maschine gestreikt. „Wie es halt überall passiert“, sagt er lachend.

Hubers Aufgabe war die des Kfz-Mechanikers und Fahrers für sämtliche Fahrzeuge im Betrieb, also Stapler, Radlader und Co. „Ich kann mich überhaupt nicht beschweren, es war immer ein gutes Auskommen, auch mit den Fremdfirmen“, mit denen Huber einiges zu tun hatte.

Begeistert war er von den „Amis“ von Marathon. „Man hat zwar immer arbeiten müssen, aber es waren gute Bedingungen und eine faire Bezahlung. Man hat da durchaus seine Freiheiten gehabt. Die menschliche Behandlung war einfach top.“ In einer Welt des ständigen Erfolgsdrucks und Profits sei dies nicht überall der Fall. 2002 ging der Burghauser in Rente. Dem Betrieb ist er aber immer noch verbunden, wenn auch auf etwas andere Weise: „Ich fühle mich immer noch als Marathonese, nicht als OMVler.“

Am 4. April 1966 hat Ernst Otto Röder angefangen. „Das weiß ich noch ganz genau. Der 1. April war nämlich ein Freitag, deshalb hatte ich drei Tage länger frei“, erzählt er lachend. So hatte er drei Tage mehr Zeit, sich hier einzugewöhnen, schließlich stammt der mittlerweile 87-Jährige aus Emden in Ostfriesland. „Mich hat es quasi von links oben auf der Landkarte nach rechts unten verschlagen.“

Die Einstellung bei der Marathon sei kein Problem gewesen. „Ich habe nicht einmal irgendwelche speziellen Zertifikate vorlegen müssen“, erinnert sich Röder. Viele Dinge habe er schon in seiner Bewerbung geschildert und die Bosse hätten ihm anscheinend geglaubt. In Röder, der in der Abteilung Zoll und Mineralölsteuer angestellt war, haben sie sich jedenfalls nicht getäuscht.

Einer der großen Unterschiede im Wandel der Zeit sei definitiv die technische Ausstattung gewesen. „Am Anfang hatten wir einen Computer, der hat einen ganzen Raum ausgefüllt. Und wenn man sich dagegen die PCs heute ansieht...“ Überhaupt habe er in den ersten Jahren noch mit einer Rechenmaschine gearbeitet, alles musste händisch erledigt werden. „Und meine Briefe habe ich auch noch selber geschrieben, das hat keine Sekretärin für mich erledigt.“

Bereut hat er seinen Schritt nie, „das war genau die richtige Entscheidung. Obwohl er mehrere Male Angebote von anderen Firmen bekam, hat er sich immer für Burghausen entschieden – bis er Ende November 1993 in Rente gegangen ist.

GESCHICHTE DER RAFFINERIE: Von der Marathon zur OMV

Die Raffinerie in Burghausen kann für sich in Anspruch nehmen, auf verschiedensten technischen Gebieten Meilensteine gesetzt zu haben. – Mit diesen Worten beginnt eine Sonderbeilage der Zeitung, die am 28. März 1968 erschienen ist, zur offiziellen Inbetriebnahme der Marathon-Raffinerie. Von einem „Ölrausch“ hatte man damals mit einem Schmunzeln gesprochen – ganz so wurde es nicht, doch die Firma, die viele auch heute, 30 Jahre nach der Übernahme durch die OMV (damals ÖMV), noch unbeirrt Marathon nennen, etablierte sich doch und überzeugte mit stetigem Wachstum.

Bis zu 3000 Arbeiter waren am Aufbau der Raffinerie beteiligt. Die amerikanische Marathon Oil Company stellte vor allem Acetylen und Ethylen her, mit dem sie das benachbarte Wacker-Werk belieferte – was der Grund für die Ansiedlung der Petrochemie in Burghausen war. Möglich wurde das durch den Bau der Transalpinen Ölleitung, die Raffinerien in Österreich und Süddeutschland mit Rohöl aus Triest versorgen konnte. Die Burghauser Raffinerie wurde über eine 60 Kilometer lange Pipeline versorgt, die vom Hauptstrang im Landkreis Ebersberg abzweigt.

Die petrochemische Industrie in Burghausen arbeitet vor allem mir Öl aus Libyen. Als in den 80er Jahren die USA ein Wirtschaftsembargo gegen Libyen verhängten, zog sich die amerikanische Firma zurück: Das Werk in Burghausen wurde 1987 von der österreichischen ÖMV (seit 1995 OMV) übernommen und umfassend modernisiert. Heute werden laut Auskunft von OMV dort rund 3,8 Millionen Tonnen Rohöl im Jahr verarbeitet. Der gesamte Bereich Rohbenzin fließt in die Produktion petrochemischer Grundstoffe wie Ethylen, Propylen und Butadien für die Kunststoffindustrie.

DOPPELTES JUBILÄUM: Ministerin Ilse Aigner kommt nach Burghausen

Historisch gesehen ist 2017 für die OMV ein besonderes Jahr. Mit den Meilensteinen „30 Jahre OMV in Deutschland“ und „50 Jahre Raffineriegeschichte in Burghausen“ feiert das Unternehmen gleich zwei Jubiläen. Seit 30 Jahren, nach Unterzeichnung des Gesellschaftervertrages am 2. Oktober 1987, ist die OMV in Süddeutschland aktiv und eine feste Größe in der bayerischen Wirtschaft und im Bayerischen Chemiedreieck. Mit Erhalt der Betriebsgenehmigung am 18. Oktober 1967 für die Raffinerie nahm die bayerisch-österreichische Erfolgsgeschichte ihren Anfang. Bis heute ist die Raffinerie in Burghausen ein wesentlicher Pfeiler und Innovationsmotor des Unternehmens. Neben dem Konzern-Vorstand aus Wien, repräsentiert durch Generaldirektor Rainer Seele und OMV-Vorstand Downstream Manfred Leitner, wird Staatsministerin Ilse Aigner als Ehrengast zugegen sein.

Die Jubiläumsveranstaltung findet am Donnerstag, 2. November, ab 19 im Stadtsaal statt. Der Blick an diesem Abend soll in erster Linie nach vorne gewandt sein. Innovation und kontinuierliche Transformation sind die Themen, um die OMV in Deutschland erfolgreich in die Zukunft zu führen, so das Unternehmen. Aber natürlich gelte es auch, seine Vergangenheit zu kennen und gerade an diesem Doppeljubiläum in besonderer Weise zu würdigen.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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