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17. Oktober 2017 - Passauer Neu Presse

IT-Schule: Einstieg in Karriere programmiert

Mit der Bildungsakademie Inn-Salzach Technologiezentrum seit 2001 auf dem Erfolgsweg

Burgkirchen.
Die IT-Branche hat Hochkonjunktur – die Ausbildung im IT-Bereich große Zukunft. „Die Nachfrage aus der Wirtschaft übersteigt regelmäßig das Angebot an Absolventen“, sagt Jörg Wanders, Leiter der IT-Schule in Gendorf im Landkreis Altötting. Rund 350 Schülerinnen und Schüler haben seit Gründung im Sommer 2001 die Schule durchlaufen oder stehen noch in Ausbildung.

Ursprünglich vor allem konzipiert, um motivierten Realschülern mit guten Noten in naturwissenschaftlichen Fächern einen Berufseinstieg in die IT-Welt zu ermöglichen und um den Bedarf der Wirtschaft an qualifizierten IT-Fachkräften in der Region zu decken, haben Abiturienten längst die Berufsfachschule entdeckt, um sich auf ein Informatik- Studium an einer Hochschule vorzubereiten.

Nach erfolgreichem Abschluss der IT-Schule sei das Risiko, das Informatik-Studium nicht zu schaffen, denkbar gering, erklärt Jörg Wanders. Die Abbrecherquote unter den IT-Schulabgängern tendiere gegen Null, entgegen der sonst üblichen 40 Prozent. Außerdem hätte die Erfahrung der ersten 15 Jahre gezeigt, dass mit vorangegangener Ausbildung das Studium in der Regel zielgerichteter und in einer kürzeren Zeitspanne absolviert und zudem durch qualifizierte Mitarbeit in Unternehmen finanziert werden kann.

Zugangsvoraussetzung zur IT-Schule sind Abitur oder mittlerer Schulabschluss und vor allem IT-Begeisterung. Auch Studienabbrecher aus technischen Studiengängen oder IT-Begeisterte mit atypischen Lebensläufen haben über die IT-Schule ihren Weg ins Berufsleben gefunden. Unterrichtet wird in zwei Klassen zu je 25 Schülerinnen und Schülern.

Die Verteilung von Abiturienten und Realschulabsolventen taxiert Jörg Wanders mit etwa 50 : 50. Die Anteile von Männern zu Frauen bei rund 80  : 20. Mit in der Ausbildung integriert sind Praktika in Unternehmen der Region, die sich ebenfalls als Zugangs-Türen in die berufliche Zukunft in diesen Unternehmen etabliert haben.

Zwingende Voraussetzung für den erfolgreichen Besuch der Schule sei in jedem Fall der feste Wille, in der Informatik Fuß zu fassen und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge erfassen zu können, betont Jörg Wanders. Er hat Elektrotechnik und Betriebswirtschaft an der TU-München studiert und sich von Anfang an mit IT-Themen befasst.

Die Berufsfachschule wird von der Bildungsakademie Inn-Salzach Technologiezentrum (kurz bit) Gendorf GmbH, einer 100-prozentigen Tochter der InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG getragen. Den Anstoß zur Gründung gab letztendlich auch der „Dot-Com-Hype“ an der Schwelle zum neuen Jahrtausend. An den Börsen ist die „Dot-Com-Blase“ schnell geplatzt, aber die Schule hat sich etabliert und der Bedarf an Fachkräften ist ständig gewachsen.

Die Absolventen haben sich inzwischen in der Berufswelt gut etabliert. Zum Beispiel habe ein Absolvent des ersten Jahres mittlerweile die IT-Leitung in einem großen und weltweit agierenden Technologie-Unternehmen der Region übernommen, erzählt Jörg Wanders.

Die Schule orientiert sich nicht nur an den Prognosen und Trends der Wirtschaft, die derzeit durch den Weg in die „Arbeitswelt 4.0“ und „Industrie 4.0“ gekennzeichnet sind, also in die massive und alles durchdringende Einbindung von Computersystemen und Programmen, sondern auch an der akuten Nachfrage.

Täglich habe man Anfragen von IT-Unternehmen aus der Region, zum Teil würden bis zu 30 offene Stellen im IT-Bereich pro Firma gemeldet. Ab 2020 sei zudem durch den demografischen Wandel nochmals ein signifikant steigender Fachkräftebedarf prognostizierbar.

Aber auch die Trends in der Wirtschaft treiben die Nachfrage: Die Produktion wird zunehmend vernetzter, Kontrolle und Wartung werden in Netzwerke eingebunden und Fernzugriffe ermöglicht und das bei steigenden Anforderungen an die Sicherheit.

Betriebswirte entwickeln moderne Geschäftsmodelle die nur aus Software bestehen, wie zum Beispiel den „Taxi-Dienstleister“ Uber, der selbst über kein einziges Fahrzeug verfüge. Die Idee und die Modelle konkret in der Computerwelt zu implementieren, das sei nun Aufgabe der Informatiker.

Die Kompetenz in der Ausbildung fokussiert sich auf die beiden Schwerpunkte Softwareentwicklung und IT-Infrastrukur. Darin sind die Themen Programmierung, Betriebssysteme, Computersysteme und Netzwerktechnik enthalten.

So gut wie alle der Kandidaten der Berufsfachschule zählen zur Generation der „Digital Natives“, also zu der Altersgruppe, die bereits mit der Allgegenwart von Computern und vor allem der modernen Kommunikationswelt aufgewachsen ist. Dennoch, Erfahrung mit der Entwicklung und Gestaltung von Programmen sowie deren technische Umsetzung haben die wenigsten.

Schwerpunkt des Unterrichts bilden anfangs die Grundlagen. Erst wenn man versteht wie Betriebssysteme funktionieren und wie Computernetzwerke und deren Protokolle aufgebaut sind kann man solche Themen wie IT-Sicherheit überhaupt verstehen. Das gleiche gilt für die Softwareentwicklung. Im Prinzip muss man sich schrittweise alle Konzepte moderner Programmiersprachen erarbeiten bis man soweit ist, dass man über Softwarearchitektur oder Softwareprojektmanagement diskutieren kann.

Das Problem, eine Ausbildung zu absolvieren, deren Inhalte durch die raschen Innovationszyklen in der IT-Welt ebenso schnell überholt sein könnten, lässt Jörg Wanders nicht gelten. Wer in die IT-Welt einsteigt, akzeptiert die sich ständig wandelnde Welt und treibt selbst die Entwicklung voran. Lebenslanges Lernen sei ohnehin in der modernen Berufswelt für jeden angesagt.

Als Berufsfachschule in privater Trägerschaft ist die IT-Ausbildung an der bit kostenpflichtig – elf mal 245 Euro Schulgeld im Jahr. Aber diese Kosten lassen sich mittlerweile vermeiden durch ein Stipendium von Partnerunternehmen. Die InfraServ Gendorf (ISG), die COC AG in Burghausen und der Elektrobetrieb Kreutzpointner bieten Stipendien an, die sie an geeignete IT-Berufsfachschüler vergeben. Die Bewerbung für diese Stipendien läuft jeweils über das Partnerunternehmen, das zudem seine speziellen Bedingungen daran knüpft. Es müssen nicht unbedingt die besten Noten sein, es kann auch ein ganz spezielles und für das Unternehmen relevantes Interessensgebiet sein.

Für neue Partnerunternehmen, die Stipendien für IT-Schüler an der bit vergeben wollen, sei man offen, betont Jörg Wanders.

Die Schule im Internet: www.bit-gendorf.de/it-schule

Quelle: Passauer Neue Presse

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