ChemDelta Bavaria - Titelbild

17. Juni 2017 - Passauer Neue Presse

Die InfraServ Technik GmbH: Instandhaltung 4.0

Burgkirchen.
Das Ziel ist ehrgeizig. Das Wachstum kann sich sehen lassen. Mit rund 190 Mitarbeitern ging die InfraServ Gendorf Technik GmbH (ISGT) vor über fünf Jahren an den Start. Aktuell werden 269 Mitarbeiter beschäftigt und „in spätestens fünf Jahren sollen es 500 Mitarbeiter sein“, sagen Geschäftsführer Ralf Schramm und sein Stellvertreter, Andreas Lehner. Die Spezialität des jungen Unternehmens ist die Wartung und Instandhaltung komplexer Industrieanlagen, inklusive der Geräte und Maschinen – angefangen von Pumpen über Armaturen bis hin zu Rohren und Apparaten.

Die Weichen für die Gründung des Unternehmens wurden im Jahr 2010 gestellt. Damals stand der Geschäftsbereich „Technical Services“ bei den Gesellschaftern der InfraServ Gendorf (ISG) im Fokus der Überlegungen – ob dieses Leistungsportfolio outgesourct, also nach außen vergeben wird oder ob man den gesamten Geschäftsbereich auf eigene Füße stellen sollte. Die Entscheidung fiel zugunsten dieser Option. Mit 190 Mitarbeitern, die bis dahin zur InfraServ Gendorf gehört hatten, ging die neu und als hundertprozentige Tochter der ISG gegründete ISGT ein Jahr später an den Start.

Als Geschäftsführer des neugegründeten Unternehmens kam 2011 Ralf Schramm an Bord. Er hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt, zunächst als Schlosser und dann als Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik bei der Bundeswehr. Bereits im gleichen Jahr stieß Andreas Lehner als Instandhaltungsleiter bei der InfraServ Gendorf Technik zum Team.

Das Gros der Mitarbeiter verfügt über eine hochwertige Facharbeiterausbildung in den Berufen Industriemechaniker, Betriebselektriker, Mechatroniker mit Schwerpunkt Industrie oder in der Materialwirtschaft. Etwa ein Viertel der Mitarbeiter verfügt über Meister- oder Techniker-Qualifikation oder über einen Studienabschluss als Ingenieur. 18 Mitarbeiter stehen derzeit in Ausbildung. Und auch ihre Zahl soll wachsen, auf durchschnittlich zehn in jedem Jahrgang.

Im ersten Jahr der Selbständigkeit hatte die junge ISGT fast ausschließlich Kunden auf dem Gendorfer Werksgelände, im Chemiepark Gendorf – allerdings ohne Auftragsmonopol, sondern im Wettbewerb mit externen Wettbewerbern. Mittlerweile hat das Instandhaltungsunternehmen Betriebsstätten bei Wacker und bei der OMV in Burghausen mit einem Stamm von jeweils 15 Mitarbeitern sowie eine Außenstelle im Chemiepark Schkopau in Sachsen- Anhalt. Betreut werden außerdem zum Beispiel bei DEA Gasverdichterstationen an der Nordsee.

Längst arbeitet die ISGT außerhalb des Standortes in Gendorf für zahlreiche Kunden im Bayerischen Chemiedreieck und will auch außerhalb der großen Chemiestandorte, auch im Mittelstand, mit der aufgebauten Kompetenz weiter wachsen. Im Fokus stehen auch die Branchen Petrochemie und Pharma, vor allem im gesamten südbayerischen Raum. Der Umsatz ist von 32 Millionen Euro im Jahr 2012, im ersten ganzen Jahr der Selbständigkeit, auf 45 Millionen Euro im vergangenen Jahr angewachsen.

Der Trend zu allem, was mit „4.0“, vor allem „Industrie 4.0“ beschrieben wird, kommt hier dem Unternehmen entgegen. Die neuen Standards und Anforderungsprofile an Maschinen und Anlagen sind gewachsen und übersteigen die konventionellen Ansprüche in der Mess- und Regeltechnik. Die Anlagen werden nicht nur zusehends mit IT vernetzt, sondern stehen an der Schwelle zu künstlicher Intelligenz. Das heißt, weitreichende Entscheidungen werden von den Systemen autonom getroffen.

Auf Basis der bisherigen Arbeitserfahrungen und der komplexen Ansprüche sieht Ralf Schramm die ISGT inzwischen in einem guten Wettbewerbsvorteil im gesamten Portfolio von Beratung und Planung bis hin zu Wartung, Instandhaltung und Systemoptimierung.

Gerade in der Vernetzung mit IT-basierten Aufgaben sieht der Geschäftsführer der ISGT in der Nähe zur IT-Ausbildung am Standort Gendorf in der BIT einen strategischen Vorteil.

Gemeinsam mit der Hochschule Furtwangen in Baden-Württemberg ist aktuell ein akademisches Ausbildungskonzept mit dem Ziel der „Instandhaltung 4.0“ in Arbeit. Auch in der Entwicklung der Mitarbeiter sieht Ralf Schramm das Unternehmen auf einem guten Weg: Beim Start im Jahr 2011 habe der Altersdurchschnitt bei 46 Jahren gelegen, jetzt liege er bei 41 Jahren, in Teilbereichen sogar bei 39 Jahren. In der internen Organisation der Arbeitsabläufe hat die ISGT in den vergangenen Jahren auf Effizienz und Ergonomie geachtet: Mit der 5S-Methode sollen Arbeitsplätze ordentlich und sauber gehalten werden.

Alle Abläufe werden übersichtlich und sicher organisiert und lästiges Suchen oder unnötige Wartezeiten sollen verringert oder ganz beseitigt werden. Zudem geht es darum, die Wahrscheinlichkeit von Arbeitsunfällen zu senken. „5S“ steht für die Anfangsbuchstaben der fünf Schritte, mit denen Ordnung und Sauberkeit in der Produktion hergestellt und aufrecht erhalten werden können. Um physische, aber auch psychische Belastungen im Arbeitsalltag zu reduzieren, wurden außerdem die Arbeitsplätze und Umstände einer kritischen Revision unterzogen und wo es möglich ist, ergonomische Verbesserungen und aktive Pausen eingeführt.

Geändert hat sich in den vergangenen Jahren auch der Außenauftritt des Unternehmens in der Kunden-Akquise. Von großen Messauftritten ist allein die ACHEMA in Frankfurt als Weltleitmesse für die gesamte chemische Industrie im Fokus geblieben. Von kleineren Messen hat sich die ISGT mittlerweile weitgehend verabschiedet und bietet selbst Foren für Kunden und Fachveranstaltungen an, um die Möglichkeiten und Trends im Querschnittsbereich der Instandhaltung darzustellen.

Details zur ISGT: www.infraserv.gendorf.de

Quelle: Passauer Neue Presse

Originaldarstellung des Artikels


zur Übersicht