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17. März 2016 - Passauer Neue Presse

Siltronic: Optimismus im Kostendruck

Umsatz ausgebaut – Effizienzsteigerung – Personaltransfer zu WACKER– Für 2016 positives Ergebnis je Aktie erwartet

München/Burghausen.
Die Siltronic AG, der weltweit drittgrößte Hersteller für Wafer aus Reinstsilizium, bilanziert „ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2015“, so der Tenor gestern in der Bilanzpressekonferenz. Der TecDAX-Konzern steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr um 9,1 Prozent auf 931,3 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr (2014: bereinigt 853,4 Millionen Euro).

Die deutliche Steigerung sei hauptsächlich auf einen höheren Absatz und einen starken US-Dollar gegenüber dem Euro zurückzuführen, erklärte gestern Finanzvorstand Rainer Irle in München. Nächster Finanztermin ist die Hauptversammlung am 12. Mai im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München.

„2015 war mit dem Börsengang im Juni ein Meilenstein für Siltronic. Wir haben das Geschäftsjahr erfolgreich beendet, obwohl sich die positiven Tendenzen des ersten Halbjahres aufgrund der konjunkturellen Abkühlung im Bereich der Halbleiterindustrie im zweiten Halbjahr leider nicht fortgesetzt haben. Jedoch konnten wir die Anfang 2015 selbst gesteckten Ziele zum großen Teil erreichen“, kommentiert Dr. Christoph von Plotho, Vorstandsvorsitzender der Siltronic AG.

Die Kursentwicklung der Aktie seit dem Börsenstart im Juni des vergangenen Jahres entspricht allerdings nicht den Erwartungen der Anleger. Vom Ausgabepreis 30 Euro stieg die Aktie zunächst im Juli 2015 auf den Höchststand von 35,99 Euro und notierte gestern bei Redaktionsschluss bei 15,52 Euro. Seinen Tiefststand hatte das Papier am 12. Februar mit 12,32 Euro.

Das Finanzergebnis 2015 liegt außerdem bei -12,2 Millionen Euro (2014: -7,7 Millionen Euro) und wurde laut Rainer Irle stark durch den Aufwand für die Aufzinsung der Pensionsrückstellungen geprägt. Die Ertragssteuern lagen im Geschäftsjahr 2015 bei 10,6 Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie beläuft sich auf -0,50 Euro und lag damit 22 Prozent über dem Vorjahr. Eine Dividendenzahlung ist für das zurückliegende Geschäftsjahr vor diesem Hintergrund nicht vorgesehen. Für das laufende Geschäftsjahr 2016 rechnet das Unternehmen mit einem leicht positiven Ergebnis je Aktie.

Insgesamt sind 12,65 Millionen Aktien angeboten worden, davon 7,65 Millionen aus dem Bestand von Wacker Chemie. Die übrigen fünf Millionen Aktien wurden im Rahmen einer Kapitalerhöhung ausgegeben. Hauptaktionär der Siltronic AG ist auch nach dem Börsengang der WACKER Konzern mit einem Anteil von 57,8 Prozent.

Die Aktien im freien Verkehr gingen zu rund 53 Prozent an US-amerikanische Anleger, zu 16 Prozent nach Großbritannien, zu 11 Prozent in die übrige Welt und blieben zu rund 20 Prozent in Deutschland, gingen hier größtenteils an Fonds, aber auch an über 1000 Privatanleger. Auch von Mitarbeitern sei das Papier gerne gekauft worden, obwohl es kein besonderes Mitarbeiterprogramm gegeben habe, erklärt Rainer Irle.

Für die künftige Entwicklung des Unternehmens sieht der Fianzvorstand großes Potenzial durch den breiten und weltweiten Trend zu stets höherwertiger und leistungsstärkerer Elektronik, nicht nur in der Kommunikation oder klassischen EDV, sondern auch in Fahrrzeugen, Maschinen und kompletten Wertschöpfungsketten wie sie durch das „Internet der Dinge“ oder die Konzepte der „Industrie 4.0“ beschrieben werden.

„Wir haben unser kontinuierliches Kostensenkungsprogramm erfolgreich fortgeführt. Die Entwicklung neuer Produkte gemeinsam mit unseren Kunden hat dazu beigetragen, unsere technologische Marktführerschaft zu untermauern“, erklärt Finanzvorstand Rainer Irle die weitere Strategie. Im laufenden Jahr sind Investitionen in Höhe von rund 80 Millionen vorgesehen, im wesentlichen, um Effizienz und Qualiät weiter voranzubringen. Davon werde auch ein Anteil deutlich im zweistelligen Millionenbereich auf den Standort Burghausen entfallen, präzisiert Rainer Irle zu den Investitionen.

Siltronic produziert an den Standorten Burghausen, Freiberg in Sachsen und Singapur Wafer mit 300 Millimetern Durchmesser, in Portland in den USA und in Singapur außerdem Wafer mit 200 Millimetern Durchmesser. In Burghausen ist zudem noch die Forschung und Entwicklung sowie die Produktion von Wafern mit kleineren Durchmessern aus den Anfangsjahren der Technologie angesiedelt.

In diesem Segment der kleineren Durchmesser bereitet sich das Unternehmen, wie bereits mehrfach berichtet, konsequent auf  ein  Auslaufen  der  Produktion vor. Um den Personalstand anzupassen, wurde bereits vor Jahren mit dem Mutter-Konzern WACKER vereinbart, dass im Zuge der Umstrukturierung rund 500 Mitarbeiter von der Siltronic AG zur Wacker Chemie wechseln werden. Bis 2019 sind noch rund 300 Übertritte vorgesehen. Weitere Stellen entfallen durch die natürliche Fluktuation.

Weltweit hatte die Siltronic AG 2015 rund 3900 Mitarbeiter, davon rund 2500 in Deutschland und davon wiederum rund 2000 in Burghausen. Im Jahr 2002 waren es weltweit noch rund 7000 Mitarbeiter.

Aktuelle Investitionen am Standort Burghausen zielen auf eine Anlage mit höherem Automatisierungsgrad als bisher üblich.

Die aktuellen Kapazitäten in der Produktion von Wafern mit dem höchsten Technologie-Standard 300 Millimeter liegen in Burghausen bei 170 000, in Freiberg bei 260 000 und in Singapur bei 330 000 – jeweils im Monat.

Die Herstellungskosten in der gesamten Produktion lagen laut Rainer Irle trotz der Mengensteigerung mit 768,4 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Der starke Umsatzanstieg spiegelte sich positiv im Bruttoergebnis mit 162,9 Millionen Euro (+113 Prozent) und einer Bruttomarge von 17,5 Prozent (2014: 9,1 Prozent) wider.

Der starke Anstieg des Bruttoergebnisses sei unter anderem auf die erfolgreichen Kostensenkungsmaßnahmen wie auch auf den schwachen Euro gegenüber dem US-Dollar zurückzuführen. Die kontinuierliche Fortführung des bereits 2010 eingeführten Kostenreduktionsprogramms habe sich auch 2015 günstig auf das Ergebnis ausgewirkt. Insgesamt seien Einsparungen von rund 45 Millionen Euro realisiert worden.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag bei 124,0 Millionen Euro und damit 5,4 Prozent über dem Vorjahr (2014: bereinigt 117,7 Millionen Euro). Die EBITDA-Marge erreichte 13,3 Prozent (2014: bereinigt 13,8 Prozent). Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) war mit 2,7 Millionen Euro ebenfalls positiv (Vorjahr: bereinigt -31,6 Millionen Euro).

Quelle: Passauer Neue Presse

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