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17. Januar 2017 - Passauer Neue Presse

Die AlzChem AG strebt an die Börse

Erwartete Bruttoemissionserlöse von 40 bis 50 Mio Euro sollen in neue Produktionsanlage für CreAMINO fließen

Trostberg.
Die AlzChem AG plant noch im ersten Halbjahr 2017 einen Börsengang im Regulierten Markt (Prime Standard) an der Frankfurter Wertpapierbörse. Als vertikal integriertes Chemieunternehmen mit 1480 Mitarbeitern produziert und vermarktet AlzChem chemische Erzeugnisse der Calciumcarbid-/Calciumcyanamid-Wertschöpfungskette (NCN-Kette) für diversifizierte Märkte. Vertikal integriert steht für Kompetenz von Grundstoffen bis hin zu Endprodukten. Das Unternehmen setzte in den ersten neun Monaten 2016 laut Handelsblatt gut 250 Millionen Euro um, der operative Gewinn (Ebitda) lag bei 35 Millionen Euro.

Die Aktien der AlzChem AG werden aktuell von drei Family Offices, LIVIA Capital Partners GmbH (48,16%), HDI Vier CE GmbH (28,48%) und „four two na GmbH“ (21,36%) sowie vom Vorstandsvorsitzenden der Alzchem AG Ulli Seibel (2,00%) gehalten. Hervorgegangen ist die AlzChem AG aus der AlzChem GmbH und die wiederum aus der ursprünglichen SKW Trostberg AG nach etlichen Umstrukturierungen, Fusionen und Abspaltungen.

„Die Finanzinvestoren Peter Löw und Martin Vorderwülbecke, die AlzChem 2009 von Evonik gekauft hatten, suchen damit den Ausstieg“, spekulierte gestern das Handelsblatt in seiner Online-Ausgabe. „Insgesamt soll die Emission ... bis zu 200 Millionen Euro schwer werden, wie zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten“, meldet das Handelsblatt: „Die Alteigentümer wollen ihre Beteiligung auf weniger als 50 Prozent reduzieren.“

Die AlzChem AG plant laut Unternehmensnachricht, die mit der Kapitalerhöhung aus der Emission neuer Aktien zufließenden erwarteten Bruttoemissionserlöse von ca. 40 bis 50 Mio Euro zum größten Teil für den Bau einer neuen Produktionsanlage für CreAMINO zu verwenden.

Darüber hinaus sollen von den drei Family Offices („verkaufende Aktionäre“) bestehende Aktien im Zuge einer Umplatzierung ergänzend zu den Neuemissionen angeboten werden. Zusätzlich wollen die verkaufenden Aktionäre den Emissionsbanken die Möglichkeit einräumen, bis zu 15 Prozent des Basisangebots im Rahmen einer Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) anzubieten.

Das Angebot soll ein öffentliches Angebot in der Bundesrepublik Deutschland und im Großherzogtum Luxemburg sowie Privatplatzierungen in bestimmten weiteren Ländern umfassen. In den Vereinigten Staaten von Amerika sollen die Aktien ausschließlich an qualifizierte institutionelle Anleger angeboten und verkauft werden. Nach dem Börsengang wird ein Streubesitz von über 50% angestrebt. Für die Gesellschaft und die derzeitigen Aktionäre sind für die Zeit nach dem Börsengang marktübliche Veräußerungsbeschränkungen von zwölf Monaten geplant.

AlzChem unterhält vier Produktionsstätten in Deutschland, eine Carbid-Fabrik in Schweden, eine Vertriebstochter in den USA sowie eine chinesische Tochtergesellschaft für den Einkauf von Rohstoffen und den Vertrieb in Asien, um Kunden weltweit zu bedienen.

„Wir nehmen eine führende Marktposition in ausgewählten Nischenmärkten ein. Darunter fallen die Märkte für Futtermittelzusatzstoffe und Nahrungsergänzungsmittel, die über große Wachstumspotenziale verfügen. Wir sehen uns sehr gut positioniert, um in der Zukunft profitabel zu wachsen. Neben der vertikalen Integration zeichnet uns der klare Fokus auf Forschung und Entwicklung aus. Darüber hinaus sind wir durch hohe Markteintrittsbarrieren geschützt“, erläutert der Vorstandsvorsitzende Ulli Seibel die Positionierung von AlzChem.

Das größte Geschäftssegment Specialty Chemicals umfasst die Herstellung und den Vertrieb hochwertiger chemischer Erzeugnisse für diverse Endmärkte. Dazu zählen ein Futtermittelzusatzstoff für Agrarbetriebe unter der Marke CreAMINO, Nahrungsergänzungsmittel unter der Marke Creapure, hochreine Guanidinsalze wie Guanidinhydrochlorid oder Guanidiniumthiocyanat für die Biotechnologie-, Diagnostik- und Pharmaindustrie (unter dem Namen BioSELECT) sowie Siliziumnitridpulver (unter der Marke Silzot), das in der Keramik-, Beschichtungs- und Photovoltaikindustrie Anwendung findet.

Im hohen Grad an vertikaler Integration, also in der Kompetenz entlang der gesamten Produkt- und Wertschöpfungskette, sieht AlzChem eine wesentliche Eintrittsbarriere für potenzielle Wettbewerber. In der Verbundproduktion auf Basis der NCN-Kette sieht die AlzChem AG drei wesentliche Vorteile:

Erstens erlaubt die Adressierung diversifizierter Endmärkte, auf Nachfrageänderungen durch eine optimierte Auslastung der Produktionsanlagen flexibel reagieren zu können. Zweitens können entlang der NCN-Kette Synergien in den einzelnen Produktionsprozessen und in der Forschung und Entwicklung realisiert werden. Drittens macht sich AlzChem in großen Teilen unabhängig von externen Zulieferern. Darüberhinaus wirbt das Unternehmen mit über 60 Patentfamilien und weiterem geistigen Eigentum als Erfolgskriterien.

Quelle: Passauer Neue Presse

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