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16. Dezemver 2017 - Passauer Neu Presse

KombiTerminal Burghausen – Segen für die Infrastruktur im Chemiedreieck

Feierstunde zur offiziellen Inbetriebnahme des zweiten Portalkrans – Frachtumschlag im Aufwind

Burghausen. Der Probebetrieb ist reibungslos gelaufen. Ende November erfolgte die technische Abnahme ohne Beanstandung und jetzt hat der zweite Portalkran im KombiTerminal Burghausen auch den kirchlichen Segen. Burghausens Kaplan Michael Vogt spendete ihn in einer kleinen Einweihungsfeier am Donnerstag in dieser Woche. Die Umschlagskapazität erhöht sich damit von bisher rund 42 000 Containern im Jahr auf über 60 000.

Im Augenblick werden im Terminal wöchentlich rund 14 Züge be- und entladen. Bis zum Sommer waren es noch elf Züge und schon Ende Februar sollen es bis zu 20 Züge in der Woche sein. Das Einzugsgebiet der Fracht erstreckt sich mittlerweile bis nach Traunstein im Süden, bis nach Ampfing im Westen und bis in den Bayerischen Wald im Osten. Mit Österreich laufen mit Blick auf den industriestarken Bezirk Braunau noch Verhandlungen, informiert Wolfgang Müller vom Partner-Unternehmen des Burghauser Terminals DUSS. In Deutschland liegt das zulässige Höchstgewicht für Lkws im Zu- und Nachlauf zu Kombiterminals bei 44 Tonnen im Vergleich zu den sonst zulässigen 40 Tonnen. Hierzu besteht in Österreich noch Klärungsbedarf.

Die Zahl der Beschäftigten am Terminal ist mittlerweile auf über 40 angewachsen; allein rund 20 Mitarbeiter werden im Betrieb des KTB beschäftigt. Weitere Arbeitsplätze wurden bei der Deutschen Bahn und beim Trucking-Unternehmen Schmidt geschaffen.

Noch nicht akut ist die nächste Ausbaustufe. Erweiterung um zwei weitere Abstellgleise und ein Umfahrungsgleis seien im Blick, erklärte Anton Steinberger, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Burghausen anläßlich der kleinen Weihezeremonie, aber für einen konkreten Terminplan sei es noch zu früh.

Sowohl Burghausens Bürgermeister Hans Steindl als auch Anton Steinberger erinnerten kurz an die Entwicklungsgeschichte des KombiTerminals in Burghausen. Innerhalb von knapp zehn Jahren, einschließlich Vorlauf ist das Terminal gebaut und nun in seiner Kapazität bereits erweitert worden. Das sei ein Rekordwert in Deutschland, betont Steindl.

Als besonders glückliche Konstellation für den Aufbau der nachhaltigen Infrastruktur bezeichnete er die Vertrauensbasis und bewährte Zusammenarbeit von Stadt, Kreis und Wirtschaft in der Region, die sich nicht nur in der gemeinsamen Organisation der RegioInvest (Siehe Stichwort) manifestiert hat, sondern auch in den belastbaren Zusagen der Industrie, die Frachtmengen überhaupt und vor allem im Bahnverkehr auszubauen.

Die Stadt stehe zum Bekenntnis und Selbstverständnis als Wirtschaftsstandort. Allein in die Peripherie des Terminals, in den Aufbau der dafür notwendigen Infrastruktur und auch für den Ersatz des Bannwaldes mit seiner Fichtenmonokultur durch einen ökologisch diversifizierten Mischwald, habe Burghausen zusammen rund 7,5 Mio Euro investiert.

Am Terminal ist der städtische Haushalt nicht unmittelbar beteiligt, sondern über die Burghauser Wirtschaftsbeteiligungsgesellschaft.Für das Terminal insgesamt sind Kosten von rund 32,3 Millionen Euro angefallen, dafür rund 5,54 Millionen für die nun abgeschlossene zweite Ausbaustufe. Die Gesamtförderung durch das Eisenbahnbundesamt beziffert Bürgermeister Hans Steindl mit rund 21,6 Millionen Euro. Und dafür, dass die Mittel auch immer wieder abrufbar waren, wenn sie gebraucht wurden, oder wenn ein wenig Nachhaken notwendig war, dafür dankte er dem Wahlkreisabgeordneten Stephan Mayer.

Der erste Bauabschnitt des Terminals war im Herbst vor drei Jahren in Probebetrieb gegangen und im Januar 2015 offiziell eröffnet worden. Bereits im Sommer des ersten Betriebsjahres zeichnete sich die Kapazitätsgrenze ab. Im Juli 2015 wurde deshalb der zweite Bauabschnitt eingeleitet. Der Zuwendungsbescheid dafür wurde im Mai 2016 erteilt; Ausschreibung war im November 2016, Baubeginn im Juni dieses Jahres. Anton Steinberger bezeichnete es nun in der Einweihungsfeier als glückliche Entscheidung, dass wieder ein „Künz-Kran“ beschafft werden konnte. Das erlaube Einsparungen in der Ersatzteilbevorratung und mehr Effizienz im Betrieb und in der Wartung.

Das gemeinsame Engagement von Wirtschaft und Politik in der Region für den Bau des Terminals, und damit für die Stärkung des Wirtschaftsstandortes einerseits und zur Verlagerung von mehr Fracht von der Straße auf die Schiene andererseits, wertet Bürgermeister Steindl außerdem als deutliches Signal an die Landes- und Bundespolitik und als Verpflichtung, den Ausbau der Bahnstrecke (ABS 38) voranzutreiben und auch den Fuhrpark zu modernisieren. Die Elektrifizierung verspricht nicht nur mehr Leistung und mehr Wirtschaftlichkeit, sondern auch weniger Lärm und weniger Emissionen.

Auf welchen Bedarf die Investition bei der Industrie trifft, das schildert Dr. Thomas Bronnert, Logistiker bei der Wacker Chemie: Das Unternehmen hatte bereits 1999 einen eigenen Zubringerzug für Container zum Terminal in München-Riem gestartet. Mittlerweile werden Container der Wacker Chemie in Burghausen zu 99,5 Prozent per Bahn transportiert. Außerdem sei in den vergangenen Jahren das Fracht-Container-Aufkommen jährlich um rund fünf bis sechs Prozent gestiegen, ergänzt Dr. Thomas Bronnert.

Quelle: Passauer Neue Presse

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