ChemDelta Bavaria - Titelbild

16. Dezember 2017 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

Engpässe wegen Wetter und Personalmangel

Bei der Industrie sorgen Unzuverlässigkeiten seitens der Bahntochter DB Cargo für Probleme

Burghausen.
Die Bahn sorgt für Ärger in der Region, doch geht es dieses Mal nicht um frustrierte Pendler oder das geringe Tempo beim zweigleisigen Streckenausbau. Vielmehr ist es die Gütersparte DB Cargo, die besonders bei der Chemieindustrie Kopfschmerzen verursacht. Schuld ist eine hohe Unzuverlässigkeit bei der Belieferung mit Rohmaterialien.

Öffentlich macht diesen Missstand jetzt MdL Günther Knoblauch (SPD). Die Unternehmen hätten sich an ihn gewandt, teilt er mit: „Es bestünden erhebliche Probleme, zeitgerecht entsprechende Mengen an Rohstoffen geliefert zu bekommen.“ Teilweise müssten wegen der Engpässe Lkw eingesetzt werden.

Tatsächlich bestätigen sowohl die Wacker Chemie als auch der Chemiepark Gendorf eine gewisse Problematik. „Die Koordination der Rohstoffversorgung für das Werk Burghausen über die Bahn ist bereits seit Monaten extrem herausfordernd“, teilt Wacker-Standortsprecher Klaus Millrath auf Anfrage mit. Vereinzelt seien schon Einschränkungen im Produktionsbetrieb erforderlich gewesen. Seitens des Werks Gendorf heißt es, dass Unternehmen des Chemieparks „von kurzfristigen Serviceproblemen“ betroffen gewesen seien. Größere Folgen seien aber ausgeblieben.

Grund für die Probleme sind offenbar Wetterextreme, verbunden mit der aufs Äußerste ausgelasteten Bahnlinie nach München und einer sehr angespannten Personal- und Materialsituation bei der Bahn AG. In einer Stellungnahme gegenüber dem Anzeiger teilt ein DB-Cargo-Sprecher mit, dass die Bahntochter heuer „nicht nur unter den Folgen zweier schwerer Stürme zu leiden (hatte), sondern auch unter den Folgen der Streckensperrung bei Rastatt.“ Die Folgen seien „in einzelnen Fällen“ nach wie vor spürbar. Hinzu komme, dass „die Situation im Bayerischen Chemiedreieck besonders herausfordernd“ sei, „da sich Störungen und Leistungsabweichungen, die im Gesamtnetz auftreten, im hochausgelasteten Netzabschnitt zwischen Mühldorf und Burghausen noch verschärfen.“

MdL Günther Knoblauch will aus Gewerkschaftskreisen erfahren haben, dass die Unwetterprobleme nicht der einzige Grund sind. Auch „Strukturveränderungen“ und Personalabbau würden demnach eine wichtige Rolle spielen. In der Wacker-Stellungnahme ist ebenfalls von einem „Mangel an Lokführern“ die Rede.

Tatsächlich reagiert die DB Cargo im Rahmen der Problemlösung vor allem mit einer Verlegung von Personal und Zügen. „Aktuell konzentrieren wir uns darauf, für die Verkehre im Chemiedreieck kurz- und mittelfristig zusätzliche operative Ressourcen – einschließlich Reserven – aufzubauen und setzen kurzfristig zusätzliche Disponenten in München und Mühldorf ein“, so der Bahnsprecher. Man sei auch dabei, „mit unseren Kunden in einem engen Austausch (...) Möglichkeiten zu sondieren, die bestehende (...) Infrastruktur noch effizienter zu nutzen.“

Teilerfolge kann DB Cargo immerhin schon vermelden: Nach Angaben des Chemieparks Gendorf sei die Lage bereits „sukzessive deutlich verbessert“ worden, die Sachlage habe sich „entspannt“. Bei Wacker hingegen beurteilt man die Situation – auch aufgrund weiterer Schneefälle in Nordwestdeutschland – als „weiterhin sehr kritisch“. Der DB-Sprecher selbst erkennt, „dass zusätzliche gemeinsame Anstrengungen von Industrie und Bahn notwendig sind“.

MdL Knoblauch hat sich deswegen an die DB-Konzernspitze gewandt. „In Burghausen und Gendorf werden wichtige Produkte für die gesamtdeutsche Wirtschaft produziert, diese brisante Situation muss dringend bewältigt werden“, erklärt er. Konkret bedeutet das für ihn, dass die weitere Zugkoordination „nicht von Mainz aus (...), sondern hier in der Region“ zu erfolgen habe.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

Originaldarstellung des Artikels

zur Übersicht