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16. September 2017 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

Zusammen 555 Jahre in der IG BCE

Gewerkschaft ehrt in Töging 13 ihrer Jubilare von VAW bzw. Real Alloy – „Rekordhalter“ Josef Kahler trat im Jahr 1947 bei

Töging.
13 Mitglieder, die seit insgesamt 555 Jahren der Industriegewerkschaft Bau-Chemie-Energie (IG BCE) angehören, wurden bei deren Zusammenkunft am Donnerstag im Gasthaus Müllerbräu geehrt. „Spitzenreiter“ ist der Töginger Josef Kahler: Er wurde 1947 Mitglied – also vor sage und schreibe 70 Jahren.

Kahler, 1930 in der Nähe von Braunau im Sudetenland geboren, erlitt 1946 das Schicksal der Vertreibung. Nachdem er sich zunächst bei einem Bauern verdingt hatte und dann in einer Baufirma eine Beschäftigung als Hilfsarbeiter auf dem Mühldorfer Bahnhof bekam, trat er 1947 eine Lehre als Schlosser bei der VAW an.

Zur Gewerkschaft kam Josef Kahler durch einen Trick des damaligen Ausbilders, wie er sich schmunzelnd erinnert: Dieser habe ihm zunächst eine unbrauchbare Feile zugeteilt. Als Kahler nach besserem Werkzeug fragte, meinte der Vorgesetzte, dieses werde er nur erhalten, wenn er der Arbeitnehmervertretung beitrete. Kahler tat wie ihm geheißen. Danach blieb er nicht nur seinem Posten als Schlosser in der VAW-Gießerei bis zur Verrentung 1985 treu, sondern auch seiner Gewerkschaft. Größere Konflikte mit dem Arbeitgeber, bei deren Beilegung ihm die Gewerkschaft geholfen habe, habe es zeit seines Arbeitslebens nicht gegeben, so Kahler.

Ein Grußwort im Namen der Stadt Töging sprach Günter Zellner, in Personalunion 3. Bürgermeister und DGB-Regionsgeschäftsführer für Oberbayern: Er beklagte, dass im laufenden Bundestagswahlkampf die für die Arbeitnehmer wirklich relevanten Themen nicht angesprochen würden – etwa die Zukunft der Rente oder der Gesundheitsversorgung: „Die Weltpolitik spielt scheinbar eine größere Rolle.“ Mit Blick auf Josef Kahler meinte Zellner: „70 Jahre Mitglied – das ist schon ein besonderes Jubiläum!“

Einen Einblick in den aktuellen Stand der Dinge beim örtlichen Recyclingbetrieb Real Alloy GmbH gab deren Betriebsratsvorsitzender Rudolf Weber: Nach seinen Worten ist das erste Quartal des laufenden Jahres etwas verhalten verlaufen, wenn auch ohne dramatische Rückgänge. In den letzten Monaten habe sich alles wieder besser entwickelt – sowohl im Magnesium- wie im Aluminiumbereich. Der Betrieb habe aktuell rund 230 Mitarbeiter, dieser Stamm werde in nennenswertem Umfang weder aufgestockt noch abgebaut, die Fluktuation sei gering.

Als bedeutsame Aufgabe für das laufende Jahr bezeichnete es Weber, das Wissen der älteren Mitarbeiter auf die jüngeren zu übertragen – schließlich sei es nicht so einfach, in einem so komplexen Betrieb zu arbeiten. Auszubildende gebe es 2017 nicht – erstens habe man die Grenzen der Kapazitäten erreicht, andererseits sei es gar nicht mehr so einfach, gerade im Handwerks-Bereich geeignete Bewerber zu finden. Ab 2018 würden aber wieder Elektriker und Schlosser ausgebildet, auch für die kaufmännischen Berufe würden wieder Lehrstellen angeboten.

Die aktuelle Krise um Fahrzeuge mit Dieselantrieb habe sich bei der Real Alloy noch nicht niedergeschlagen. Zwar sei vielfach die Rede von Elektromobilität, das aber habe man bei den Aufträgen für 2018 noch nicht bemerkt.

Auf die Unfallzahlen in dem Betrieb eingehend sagte er, dank gezielter Maßnahmen hätten diese ein sehr niedriges Niveau. Wenn bis dahin nichts passiere, werde man im Oktober auf ein unfallfreies Jahr verweisen. Noch länger sei man von schwerer wiegenden Vorfällen verschont geblieben.

Der stellvertretende Bezirksleiter der IG BCE, Gerd Hammerl, ging auf eine Reihe aktueller gewerkschaftspolitischer Themen ein, gratulierte aber auch den Jubilaren besonders: Diese langjährig treuen Mitglieder seien es, die die solidarische Gemeinschaft in der Vergangenheit durch alle Höhen und Tiefen mitgetragen hätten.

„Ihr habt dafür gesorgt, dass es Tarifverträge gibt. Ihr habt dafür gesorgt, dass es Menschlichkeit in der Arbeitswelt gibt“, sagte Hammerl und bedankte sich ausdrücklich für die Zuversicht der Jubilare, dass die Arbeitnehmer ihre Ziele nur gemeinsam erreichen könnten. Mit Urkunden und diversen Geschenken für die Jubilare und einer Einladung zu Speis’ und Trank an ihre Mitglieder brachte die Gewerkschaft diesen Dank zum Ausdruck.

Für jene Jubilare, die nicht persönlich anwesend sein konnten, wird die Ehrung nachgeholt.

Geehrt wurden für: 25 Jahre Mitgliedschaft: Alexander Eckart, Richard Lohr und Anneliese Oberst.
40 Jahre: Johann Gebert, Franz Haindlfinger, Siegfried Kamhuber, Hartwig Lichtenegger und Ernst Reidinger.
50 Jahre: Cilli Klimaschewski, Horst Schibath und Nikolaus Peter Schwarzmeier.
60 Jahre: Franz Schmidl
70 Jahre: Josef Kahler.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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