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16. März 2017 - Passauer Neue Presse

WACKER – gute Zahlen und Optimismus

WACKER verkauft 21 Prozent seiner Anteile an der Siltronic AG – 400 Millionen Euro für den Standort Burghausen

München/Burghausen.
Die Wacker Chemie AG hat im Geschäftsjahr 2016 wie bereits gemeldet ihr Umsatzziel erreicht „und beim operativen Ergebnis die eigenen Erwartungen übertroffen.“ Das Unternehmen „will im laufenden Jahr trotz der voraussichtlich höheren Rohstoffpreise an seine gute Geschäftsentwicklung anknüpfen“, betont Vorstandsvorsitzender Dr. Rudolf Staudigl zur Präsentation der aktuellen Zahlen.

Außerdem reduziert WACKER aktuell seine Beteiligung an der Siltronic AG – bisher bei 51,8 Prozent – um 21 Prozent. Dazu wurden gestern 6,3 Mio Siltronic-Ak-tien aus dem Bestand des Konzerns zum Preis von 55,85 Euro pro Aktie an institutionelle Investoren abgegeben.Bruttoemissionserlös: rund 352 Mio Euro.

Die Marktkapitalisierung der Wacker Chemie AG lag zum Ende 2016 (insgesamt 52 152 600 Stückaktien) bei 49 677 983 Aktien im Umlauf bei 4,91 Milliarden Euro (Gesamtaktien ohne eigene Aktien). Das Ergebnis pro Aktie im Umlauf beziffert der Konzern für 2016 mit 3,61 Euro. Der Dividendenvorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat an die Hauptversammlung am 19. Mai liegt bei 2 Euro je Aktie (wie im Vorjahr).

Der Konzernumsatz mit 5,40 Milliarden Euro (2015: 5,30 Mrd) ist gegenüber dem Vorjahr um zwei Prozent angewachsen. Ausschlaggebend für dieses Plus waren laut Konzern höhere Absatzmengen. Das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) summiert sich im Geschäftsjahr 2016 auf 1101,4 Mio Euro (2015: 1048,8 Mio Euro). Das entspricht einer EBITDA-Marge von 20,4 Prozent (2015: 19,8 Prozent).

Im Gesamtjahr will das Unternehmen seinen Umsatz um einen mittleren einstelligen Prozentsatz steigern. Das EBITDA des Konzerns soll auf vergleichbarer Basis – also ohne Sondererträge aus Schadenersatzzahlungen sowie aus der Auflösung von Vertrags- und Lieferbeziehungen zu Solarkunden – auf dem Niveau des Vorjahres liegen.

Zurückgegangen sind das EBIT und das Jahresergebnis. Als Grund dafür nennt Dr. Staudigl die „deutlich höheren“ Abschreibungen. Sie seien wegen der Inbetriebnahme des neuen Standortes in Tennessee um 28 Prozent gewachsen – auf 735 Millionen Euro.Unter dem Strich hat WACKER das Geschäftsjahr 2016 mit einem Konzernergebnis von 189 Millionen Euro abgeschlossen. Das sind 22 Prozent weniger als 2015. Für 2017 rechnet WACKER erneut mit einem hohen Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft. Der Netto-Cashflow soll mit rund 400 Mio Euro in der Größenordnung des Vorjahres liegen. Der Konzernjahresüberschuss wird ebenfalls auf Vorjahres-Nieveau erwartet.

Rund 400 Millionen Euro werden im laufenden Jahr in den Standort Burghausen fließen, darunter rund 260 Millionen in die Instandhaltung bestehender Anlagen und rund 140 Millionen in neue Anlagen. Damit liegt Burghausen laut Vorstandsmitglied Dr. Christian Hartel im Trend der jüngsten Jahre.

Mit einem Investitionsvolumen von rund 25 Millionen Euro schlägt ein neuer Dispersionsreaktor zu Buche, präzisiert Dr. Staudigl. Die Dispersionen kommen in Bauprodukten, aber auch in Klebstoffen und technischen Textilien zum Einsatz. Der Reaktor hat eine Jahreskapazität von 60 000 Tonnen. Die Anlage soll noch vor Ende des Jahres fertig gestellt werden. Ebenfalls in Burghausen wird eine Anlage für hydrophobe Kieselsäurespezialitäten erweitert, um die Kapazität um 40 Prozent zu erhöhen. Investition: 1,4 Mio Euro.

Im Rückblick auf die vergangenen 15 Jahre habe die Wacker Chemie AG weltweit insgesamt rund acht Milliarden Euro in neue Anlagen investiert, resümiert Vorstandsvorsitzender Dr. Rudolf Staudigl, davon auch einen erklecklichen Anteil in den Standort Burghausen und andere deutsche Standorte. Investitionen in dieser Größenordnung sind im Augenblick nicht geplant. Das Unternehmen will die Neuinvestitionen in Summe unter den Abschreibungen halten, aber mit gezielten Leistungssteigerungen, den Märkten angepassten Ausbaumaßnahmen und Investitionen in eine höhere Wertschöpfungstiefe die Erträge weiter verbessern.

Beispielhaft für die aktuellen Investitionen in Burghausen, aber auch für die weitere Strategie von WACKER nennt Vorstandsmitglied Auguste Willems die Entwicklung neuer Folien, die in der Lage sind, Verformung in elektrische Impulse umzusetzen und umgekehrt, wie sie in Burghausen produziert werden. In der Technik, zum Beispiel in der Medizintechnik oder in der Sensorik, versprechen diese Folien bisher ungeahnte Möglichkeiten. Auch der Einstieg in die additive Fertigung auf Silicon-Basis eröffnet neue Geschäftsfelder (Heimatwirtschaft berichtete bereits zu den neuen Produktlinien in Burghausen.

Ein klares Bekenntnis legte Dr. Staudigl in der Bilanzpressekonferenz zum freien Handel ab: Eingriffe in den freien Handel sind immer schädlich. Wenn es dort zu Verwerfungen kommt, dann kann das die globalen Wertschöpfungsketten massiv beschädigen.“ Zugleich verwies er auf die eigene Betroffenheit von WACKER: „Im Jahr 2013 führte die EU Strafzölle auf chinesische Solarmodule ein. Ziel war es, europäische Hersteller vor dem angeblich unfairen Preiswettbewerb aus China zu schützen. im Ergebnis allerdings war der Schaden der Maßnahmen ungleich größer als der Nutzen.“ Die chinesischen Hersteller der Module importieren beträchtliche Mengen des von WACKER in Deutschland hergestellten Siliciums, um es in den Modulen zu verarbeiten. Ohnehin gehen über 55 Prozent des in Europa gewonnenen Polysiliciums nach China. Die von der EU verhängten Strafzölle auf chinesische Solarzellen und Module laufen im September 2018 aus.

Einen dringenden Appell richtet Dr. Staudigl außerdem an die deutsche Politik, um die politisch bedingte Verteuerung der elektrischen Energie zu revidieren. Falls das nicht gelinge, drohten Abwanderung ganzer Branchen und definitiv der Verlust von Arbeitsplätzen.

Quelle: Passauer Neue Presse

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