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16. Januar 2018 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

Glanzlicht im Neuöttinger Kulturkalender

Blasorchester Werk Gendorf begeisterte im Stadtsaal – Zuhörer spenden 1832 Euro für den Bürgerfonds

Neuötting.
Das traditionelle Neujahrskonzert mit dem Symphonischen Blasorchester Werk Gendorf kann mit Fug und Recht als ein Glanzlicht im Neuöttinger Kulturkalender bezeichnet werden. Wieder einmal haben es die rund 50 Akteure unter der Leitung von Klemens Wimbauer geschafft, mit ihrer Musikauswahl das Publikum im fast voll besetzten Stadtsaal zu Beifallsstürmen hinzureißen.

Nach ihren Darbietungen, inklusive Rückblick auf 70 Jahre Bestehen des Orchesters, wurde bei dem Eintritt freien und von der VR meine Raiffeisenbank gesponserten Konzert eine Spendensumme von 1832,50 Euro gezählt.

Bürgermeister Peter Haugeneder verkündete bereits bei der Begrüßung, dass das Geld in den Bürgerfonds fließen wird: „Es gibt leider auch in Neuötting Familien, die sich keinen warmen Mantel leisten können oder sich über ein Starterpaket für Schulanfänger freuen. Für diese und ähnliche Aufgaben tritt der Bürgerfonds ein.“

In altbewährter Manier führte Moderatorin Sabine Bachmaier durch das Konzert und erzählte eingangs, dass daran gedacht war, beim Jubiläumskonzert in der früheren Tracht aufzutreten. „Dabei stießen wir auf unerwartete Probleme bei der Anprobe. Die Leute entwickeln sich, sie wachsen – die Tracht nicht! Nachdem wir versucht hatten, eine kleine Besetzung in die Uniformen zu quetschen, war klar: Das lassen wir bleiben“.

Nachnamen änderten sich – Vorname blieb: Josef
Auch war ihr aufgefallen, dass sich in den ersten Jahrzehnten nur die Nachnamen der Dirigenten änderten. Der Vorname blieb immer Josef. Auf Josef Hölzl folgten Josef Nigl, Josef Niederhammer, Josef Volk. Nach einem kurzen Intermezzo von Otto Sachse – „der Vorname passt einfach nicht“ – kehrte Josef Nigl zurück. In den Achtzigern übernahm nach Josef Schacherbauer Helmut Unterstein für fast 19 Jahren das Orchester, auf ihn folgte Klemens Wimbauer, der das Orchester nun seit 16 Jahren leitet.

Als Eröffnungsstück erklang Skoda Lasky“, besser bekannt als „Rosamunde“, von Jaromir Vejvoda. Jenes Lied, das in den USA als typisch für deutsche Gemütlichkeit angesehen wird und in den Fünfzigerjahren der „Wiesnhit“ gewesen ist. Mit alles Walzer und somit dem Blumenwalzer aus Pjotr Iljitsch Tschaikowskys Nussknacker-Suite ging es sehr viel romantischer weiter. „Tom Sawyer“ von Franco Cesarini erinnerte musikalisch an die Figuren aus Mark Twains Lausbubengeschichte. Dies nahm Sabine Bachmaier zum Anlass Lausbubengeschichten des Orchesters aufzudecken und erzählte von plötzlich vertauschten Noten damaliger Chormitglieder oder angebundenen Dirndlschürzen am Stuhl. „Vielleicht mit verantwortlich so einer wie unser größter und zugleich dienstältester Lausbub, der Robert Fischer. 55 Jahre ist er nun dabei und war in praktisch jeder Probe anwesend“, schmunzelte sie.

Im weiteren Verlauf des Konzertes kamen Pannen zur Sprache, die in 70 Jahren des Orchesterbestehens nicht ausbleiben konnten. Bachmaier erinnerte an eine Durchsage der Werkfeuerwehr, die eines der Konzerte mitten in einem Klaviersolo unterbrach und daran, dass einmal ein Tubaspieler scheppernd von der Bühne fiel. Mit dem Marsch „Mens sana in corpore sano“ von Geert Sprick wurde das Publikum in die Pause entlassen.

Frisch los ging es mit dem Jazzstandard „When The Saints Go Marchin’ In“ und dem besonderen Klangeffekt, den einige Bläser links und rechts der Bühne auf den Galerien einbrachten. Der Stilmix des Abends ging weiter mit den gewaltigen Klängen und einem Medley aus Andrew Lloyd Webbers „Phantom der Oper“. Diesem folgte das James-Bond-Theme – ursprünglich Titelmelodie des Films „James Bond – 007 jagt Dr. No“ aus dem Jahr 1962 und späteres Leitmotiv aller Bond-Filme sowie „Goldfinger“, „Nobody does it better“, „Skyfall“ und „Live and let die“, alles Stücke, die in die Welt des Secret Service Agenten führten, nicht ohne einen Orchester eigenen James Bond inklusive Pistole in die an die Wand projizierte James-Bond-Blende zu stellen.

Zum Schluss: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“
Für das Abschlussstück „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ aus Walt Disneys Dschungelbuch wollte sich laut Bachmeier jedoch niemand verkleiden – schade eigentlich – steht der Protagonist, Balu, der Bär, doch für Wohlbefinden.

Der lang anhaltende Beifall entlockte dem Orchester mit einer Polka und einem Marsch noch zwei Zugaben, bevor man nach einem höchst anspruchsvollen und unterhaltsamen Konzert den Neuöttinger Stadtsaal verließ.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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