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13. November 2017 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

Musikalisches Meisterwerk

Nahezu 600 Zuhörer beim Jubiläumskonzert des Symphonischen Blasorchesters Werk Gendorf – Stürmischer Applaus

Burgkirchen.
In Hochform haben sich die rund 50 Musiker des Symphonischen Blasorchesters Werk Gendorf bei ihrem Jubiläumskonzert präsentiert. Das würdigten die annähernd 600 Besucher am Freitagabend im Betriebsrestaurant mit Applaus im Stehen. Begeistert erklatschten sich die Konzertgäste drei Zugaben.

Das Herbstkonzert im Chemiepark Gendorf ist für Kunstgenuss aus der musikalischen Oberliga bekannt, so war es auch im Jubiläumsjahr. Darüber hinaus gab es auf verschiedene Weise Rückblicke auf die 70 Jahre des Bestehens. Sei es mit Schautafeln, alten Fotos oder Anekdoten, die Moderatorin Sabine Bachmaier zum Besten gab.

Eingangs erzählte sie, dass daran gedacht war, beim Jubiläumskonzert in der früheren Tracht aufzutreten. „Dabei stießen wir auf unerwartete Probleme bei der Anprobe. Die Leute entwickeln sich, sie wachsen – die Tracht nicht! Nachdem wir versucht hatten, eine kleine Besetzung in die Uniformen zu quetschen, war klar: Das lassen wir bleiben. Es gibt doch bestimmt alte Fotos stattdessen“, so Sabine Bachmaier augenzwinkernd.

Bei der Durchsicht der Chronik war ihr aufgefallen, dass sich in den ersten Jahrzehnten nur die Nachnamen der Dirigenten änderten. Der Vorname blieb immer Josef. Auf Josef Hölzl folgten Josef Nigl, Josef Niederhammer, Josef Volk. Nach einem kurzen Intermezzo von Otto Sachse, „der Vorname passt einfach nicht“, kehrte Josef Nigl wieder ins Werk zurück und bestimmte erneut das Musikgeschehen. In den Achtzigerjahren übernahm nach Josef Schacherbauer Helmut Unterstein für fast 19 Jahren das Orchester. Helmut Unterstein war mit seiner Ehefrau Maria übrigens beim Jubiläumskonzert anwesend.

Dr. Bernhard Langhammer, Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf, freute sich über die zahlreichen Konzertgäste und bat um Spenden beim Verlassen des Saales für die gemeinnützige Organisation „Weißer Ring“ (Außenstelle Altötting). Der Eintritt war frei.

„Kilometerlange Schals gestrickt“
Als Eröffnungsstück des Jubiläumskonzerts hatte Klemens Wimbauer, der seit 16 Jahren das Orchester leitet, „Skoda Lasky“, besser bekannt als „Rosamunde“, von Jaromir Vejvoda ausgesucht. Sabine Bachmaier wies darauf hin, dass in den USA dieses Lied als typisch für deutsche Gemütlichkeit angesehen wird. In den Fünfzigerjahren sei „Rosamunde“ der „Wiesnhit“ gewesen. Weil in den vergangenen Herbstkonzerten nie ein Walzer fehlen durfte, wurde auch im Jubiläumsjahr ein solcher zu Gehör gebracht, der Blumenwalzer von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky. Dieser Blumenwalzer war einer der beiden Einsätze der schmucken Harfe, die Vroni Vorbuchner spielt (auch Schlagwerk). „So eine Harfe ist ein wunderschönes Instrument, bringt allerdings auch kleine Nachteile mit sich“, erzählte Sabine Bachmaier. „Man braucht das passende Auto zum Transport. Fahrgemeinschaften sind also eher schwierig und man braucht immer einen, der mit anpackt beim Aus- und Einladen. Damals war das Vronis Mama, die in vielen Proben anwesend war und in der Zeit bestimmt kilometerlange Schals gestrickt hat.“

Weitere Stücke, die das Publikum beim Herbstkonzert in der gewohnten Perfektion genießen durfte: „Tom Sawyer“ von Franco Cesarini, „Mens sana in corpore sano“ von Geert Sprick, „When the saints go marching in“ von Naohiro Iwai, „Phantom der Oper“ von Andrew Lloyd Webber, „Blueberry Hill“ von Fats Domino (Solist am Tenorsaxofon: Rudi Zettl), „James Bond“ von Stephen Bulla, „Dick und Doof“ von Fred Strittmatter und Quirin Amper jr.

Anlässlich der musikalischen Lausbubengeschichte von Franco Cesarini erinnerte Sabine Bachmaier an Lausbubengeschichten aus der Vergangenheit des Orchesters: „Früher stand bei Konzerten der Werkschor immer vor uns Musikern. Die gerade nicht benötigten Noten legten die Sänger hinter sich ab, also vor uns Musikern. Eines Tages wollten sie wieder die anderen Noten hervorholen, während das Publikum klatschte. Plötzlich wurden sie hektisch und fingen an zusammenzutauschen. Da müssen ein paar Lausbuben die Noten vertauscht haben. Vielleicht so einer wie unser größter und zugleich dienstältester Lausbub, der Robert Fischer. 55 Jahre ist er dabei und war in praktisch jeder Probe anwesend.“ Ehrend erwähnte die Moderatorin Willy Neubauer, seit 50 Jahren „Mann für alles“ im Orchester.

Lausbuben unter den Musikern
Dann ließ Sabine Bachmaier den „wahren Grund“ dafür wissen, dass das Orchester nicht mehr in Tracht auftritt: „Damals in Ungarn spielten wir ein geniales Konzert in einer der größten Tropfsteinhöhlen Europas, in Aggtelek. Dort gab es einen richtigen Konzertsaal mit naturbelassener Bühne und wir Musiker füllten den Raum mit grandiosem Klang aus. War ein Stück zu Ende, hörte man den Ton noch fast zehn Sekunden nachhallen. Fantastisches Erlebnis für jeden Musiker und so waren wir alle ziemlich ergriffen. Einer nutzte das aus: Damals saßen die Tenorhörner hinter den Klarinetten. Am Ende des Konzerts konnte eine von uns nicht aufstehen. Hatte doch glatt so ein Tenorist die Christine mit ihrer Dirndlschürze am Stuhl festgebunden. Damit das nicht mehr passieren kann, haben wir keine Tracht mehr an.“

Unvergessliche Pannen
In den 70 Jahren des Bestehens konnten Pannen nicht ausbleiben. Die Moderatorin erinnerte an eine Durchsage der Werkfeuerwehr, die eines der Konzerte unterbrach – mitten in einem Klaviersolo. Und daran, dass bei einem Konzert ein Tubaspieler scheppernd von der Bühne fiel.

„Toll gemacht“, schwärmte Kathrin Räcker, Vorsitzende des Trägervereins für das Symphonische Blasorchester Werk Gendorf, bei ihrem Schlusswort. „70 Jahre und kein bisschen leise.“ Die Vorsitzende dankte der InfraServ Gendorf mit Dr. Bernhard Langhammer an der Spitze für die große Unterstützung, die das Werksblasorchester erhält.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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