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14. September 2017 - Passauer Neu Presse

SKW Metallurgie: Kritische Anträge zur Hauptversammlung

Vorstand und Aufsichtsrat dagegen

München.
Bei der SKW steigt die Spannung. Die SKW Stahl-Metallurgie Holding AG hat Anträge auf Ergänzung der Tagesordnung der geplanten ordentlichen Hauptversammlung am 10. Oktober 2017 nach § 122 Abs. 2 AktG erhalten, die nun vom Vorstand des Unternehmens in einer Pressemitteilung zurückgewiesen werden. Die Ergänzungsanträge zielen u.a. auf die Abberufung von Aufsichtsratsmitgliedern, konkret auf Dr. Peter Ramsauer, Volker Stegmann und den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Titus Weinheimer.

Wie berichtet hat das Unternehmen, das neben anderen vor über 15 Jahren aus der alten SKW Trostberg AG hervorgegangen ist und in der Region gerade wegen des aus der Tradition heraus soliden Rufes viele Kleinaktionäre hat, im August kurzfristig die ursprünglich für 6. Juli, dann für 31. August geplante Hauptversammlung, erneut verschoben; diesmal auf den 10. Oktober. Heimatwirtschaft berichtete.

Die Ergänzungsanträge stammen von der MCGM GmbH, München, und weiteren Aktionären der SKW. Das Geschäftsmodell der MCGM fokussiert sich auf Unternehmensberatung und Investments. Als MCGM (Management Consulting Group) werden externe Kunden im Streben nach einem Corporate Turnaround und Performance Improvement, also für eine Trendwende bei Krisen und für höhere Profitabilität beraten. Als MCGM (Management & Capital Group) beteiligt sich die Gruppe laut Selbstdarstellung „an Unternehmen mit hohem Wertsteigerungspotenzial“. Das Engagement bei der SKW hat MCGM seit 2015 kontinuierlich ausgebaut.

Offenbar nicht zur Freude des SKW Vorstands: „Der Vorstand und alle übrigen fünf Aufsichtsratsmitglieder der SKW lehnen die Ergänzungsanträge mit Nachdruck ab“, betont nun der Konzern in einer Pressemeldung: „Sie werten diese als Versuch, die mit dem Finanzinvestor Speyside Equity vereinbarte finanzielle Restrukturierung der Gesellschaft und der SKW-Gruppe“ (Heimatwirtschaft berichtete am 29. August) zu torpedieren.

Der Geschäftsführer der MCGM GmbH, Dr. Olaf Marx, ist zugleich Mitglied des Aufsichtsrats der SKW Stahl-Metallurgie Holding AG. Im Gespräch mit Heimatwirtschaft betont Dr. Marx: „Wir sind Teil einer Lösung, nicht des Problems und bereit, uns konstruktiv in eine Gesundung der SKW einzubringen.“ Die MCGM beantragt über die Beschlussfassung zur Abberufung von drei Aufsichtsratsmitgliedern und die Nachwahl eines Aufsichtsratsmitglieds hinaus, die Verkleinerung des Aufsichtsrats auf vier Mitglieder, die Bestellung von Sonderprüfern sowie Abstimmung über einen Vertrauensentzug gegenüber Vorstand Dr. Michel.

Zur Begründung führt die MCGM an, im Zuge der Refinanzierung der Gesellschaft habe „sich der mit sechs Mitgliedern besetzte Aufsichtsrat als nicht effizient und zielgerichtet erwiesen.“ Kritik gilt auch dem im Raum stehenden, befürchteten Kapitalschnitt durch die von Vorstand und Aufsichstrat der SKW angestrebte Umwandlung von Forderungen an den Konzern in eine Beteiligung.

Zudem verlangen die MCGM und weitere Aktionäre den Beschluss über eine Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft gegen Bareinlagen mit Bezugsrecht der Aktionäre von bis zu 13 089 860 Euro auf bis zu 19 634 790 Euro durch Ausgabe von bis zu 13 089 860 neuen Aktien zu einem Ausgabebetrag von mindestens 1,00 Euro je Aktie.

„Der Vorstand und alle weiteren Aufsichtsratsmitglieder lehnen die Abberufung der unabhängigen Aufsichtsratsmitglieder Dr. Ramsauer, Stegmann und Weinheimer ab und halten die vorgeschlagene Barkapitalerhöhung für ungeeignet, die dringend erforderliche umfassende Entschuldung der SKW Stahl-Metallurgie Holding AG und der SKW-Gruppe zu erreichen, über die in der ordentlichen Hauptversammlung entschieden werden soll“, meldet nun die SKW.

Die Antragsteller halten aktuell laut SKW-Meldung zusammen mehr als zehn Prozent des Grundkapitals der Gesellschaft. Der Vorstand müsse davon ausgehen, dass die Antragsteller gegen die Vorschläge der Verwaltung zum „Debt-to-Equity-Swap“ (von der Forderung zur Beteiligung) durch Speyside Equity stimmen werden. Aufgrund der Präsenz und Anmeldungen bei Hauptversammlungen in der Vergangenheit von rund 35 Prozent müsse deshalb derzeit davon ausgegangen werden, dass die Beschlussvorschläge zur finanziellen Restrukturierung nicht die erforderliche Dreiviertelmehrheit in der Hauptversammlung am 10. Oktober 2017 erhalten werden.

Damit sei die positive Fortführungsprognose für die SKW Stahl-Metallurgie Holding AG entfallen und bei der Gesellschaft liege der Insolvenzgrund der Überschuldung vor. Der Vorstand werde sich innerhalb der rechtlich vorgegebenen drei Wochen Frist bemühen, zur Vermeidung eines Insol-venzantrags die Überschuldung nachhaltig zu beseitigen.

Ohne eine finanzielle Restrukturierung unter Einbindung des Investors Speyside Equity sei die Existenz der SKW Stahl-Metallurgie Holding AG akut gefährdet. Eine Drohung mit dem Gang zum Insolvenzgericht halten indes mit dem Verfahren Vertraute aktuell aber nicht so leicht zu rechtfertigen, wenn der Vorstand seine Aufgaben und Verantwortung ernst nehme.

Dr. Kay Michel, Vorstand (CEO) der SKW Stahl-Metallurgie Holding AG: „Die Anträge der MCGM GmbH und ihrer Unterstützer sind nach unserer Überzeugung der Versuch, im Handstreich die Kontrolle über die SKW zu erlangen. Zugleich sollen die einzigen realistischen und mit den finanzierenden Banken abgestimmten Maßnahmen zur Rettung unserer Gesellschaft blockiert werden. Im Gegensatz zu dem Investorenangebot von Speyside Equity führt eine Barkapitalerhöhung gemäß dem Vorschlag der MCGM GmbH nicht einmal ansatzweise zu der dringend notwendigen Entschuldung unseres Unternehmens.“ Kritker des angestrebten Handels mit Speyside befürchten das Gleiche, nur mit vertauschten Vorzeichen.

Die Entrüstung des Vorstands spiegelt ein weiteres Antragspaket der MCGN und weiterer Aktionäre wieder, denn die fordern auch eine Sonderprüfung der Vorstandsvergütung und wie es zu einer aus ihrer Sicht „extrem hohen Gesamtvergütung“ und Vergütungssteigerungen kommen konnte, angesichts „signifikant hoher Jahresfehlbeträge“. In den Anträgen, einsehbar auf der Internet-Seite  von  MCGN
(www.mcg-m.com), heißt es zu den Motiven: „Der vorstehende Sachverhalt wirft Fragen auf, ob der Vorstand und die Mitglieder des Aufsichtsrats ihren organschaftlichen Pflichten ordnungsgemäß und mit der erforderlichen Sorgfalt nachgekommen sind oder ob Anhaltspunkte für Schadensersatz- pflichten des Vorstands und der Mitglieder des Aufsichtsrats gegenüber der Gesellschaft vorliegen.“

Auch der Aufsichtsrat zur Zeit der Entscheidungen für die letztendlich fatalen Engagements in Bhutan und Schweden soll auf Grund der aktuellen Anträge einer Sonderprüfung unterzogen werden, ob die Mitglieder ihrer Aufsichtspflicht im Interesse des Konzerns und der Aktionäre nachgekommen sind. Immerhin sei der damalige Vorstand auf Schadensersatz in Höhe von 55 Millionen Euro verklagt worden.

Die SKW Aktie notierte gestern bei Redaktionsschluss bei 0,97 Euro nach dem absoluten Tief von 0,80 Euro am 7. September.

Quelle: Passauer Neue Presse

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