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13. Februar 2017 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

Die Wissenschaft als süße Versuchung

Auch die zweite Auflage des „Science Slams“ kann der Chemiepark Gendorf als vollen Erfolg verbuchen

Burgkirchen.
Jugendliche für die Wissenschaft begeistern? Für Chemie und Physik? Für Einzelmoleküldetektionen und ähnlich Schwerverständliches? Viele Lehrer gäben wohl einiges, würde ihnen dies gelingen. Ratschläge könnten sie sich dabei von Viktoria Ganß, Silvan Englisch, Matthias Mader, Simon Reif, Christoph Wiedmer und Samuel Höra geben lassen. Die Sechs erklärten und unterhielten am Freitagabend beim 2. Science Slam in Gendorf – und die Resonanz fiel gewaltig aus.

Schon bei der Premiere im vergangenen Jahr hatten die Organisatoren des Chemieparks um Leiter Dr. Bernhard Langhammer noch kräftig nachbestuhlen müssen, um dem Andrang Herr zu werden. Statt 350 saßen am Ende mehr als 500 Menschen im Betriebsrestaurant. Entsprechend erwartungsfreudig war man in die Neuauflage gegangen. Dass kurz vor Beginn aber mehr als 700 Gäste jeden freien Platz belegen würden, damit hatten selbst die Optimisten im Planungsteam nicht gerechnet.

Zu sehen und zu hören bekamen die Zuschauer einiges. Und auch zu tun, schließlich entschieden sie am Ende, wer von den fünf „Slammern“ den lehrreichsten und gleichzeitig unterhaltsamsten Vortrag abgeliefert hatte. Zehn Minuten hatte dafür jeder der eingeladenen Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeiter Zeit. Zehn Minuten blieben auch Samuel Höra, dem Traunreuter Schüler, der zwei Wochen zuvor den „Junior Science Slam“ am Altöttinger KKG gewonnen hatte.

Lief sein Beitrag außerhalb der Wertung, war bei den anderen Überzeugungsarbeit angesagt. Mal vor allem witzig, mal mehr aufs Verständliche setzend, beschäftigten sie sich mit Themen wie den in Spielsachen enthaltenden Geruchsstoffen oder mit der Frage, warum Neugeborene oft knapp unterhalb markanter Gewichtsgrenzen liegen. Letzteres beantwortete Simon Reif. Ihm zufolge wird in Kliniken häufig geschummelt – weil es etwa für ein 1995 Gramm schweres Baby mehr Geld gibt als für eines mit 2000 Gramm.

In eine gänzlich andere Richtung ging Vorjahressieger Matthias Mader. Wie schon bei der Premiere 2016 wusste der Schwabinger bei seinem Exkurs über den heiligen Januarius und die Frage, was hinter sogenannten Blutwundern stecken könnte, vor allem durch seine wahrhaft kabarettistische Ader zu überzeugen – Prozession mit Blutverflüssigung inklusive.

Insgesamt aber mussten er und seine männlichen Kollegen sich klar der einzigen Slammerin geschlagen geben. Mit ihren zugleich komischen als auch mit Aha-Effekt versehenen Ausführungen über den perfekten Erhaltungszustand von Schokolade hatte Lebensmittelchemikerin Viktoria Ganß das Publikum eindeutig auf ihrer Seite – und konnte am Ende auch den goldenen Erlenmeyerkolben als Trophäe mit nach Hause nehmen. Ihn und die Gewissheit, das mit auffallend vielen Jugendlichen besetzte Auditorium zumindest kurzzeitig für die Wissenschaft begeistert zu haben.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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