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10. August 2017 - Passauer Neu Presse

Trifft das Diesel-Dilemma die OMV- Raffinerie?

Entwarnung im Interview: Standort Burghausen setzt auf Wachstum bei Petrochemie und Flugturbinentreibstoff

Burghausen.
Die aktuelle Dieselaffäre und damit verbundene Unsicherheiten beschäftigen nicht nur Umweltschützer und Umweltämter in den Städten, die Staatsanwaltschaften, Unternehmen und vor allem die Fahrzeugbesitzer, sondern auch die Raffinerie in Burghausen

Das Stuttgarter Verwaltungsgericht hat „grünes Licht“ für Dieselfahrverbote signalisiert. Bedeutet das absehbar „rotes Licht“ für die Dieseltechnologie im Straßenverkehr? Und was bedeuten diese Gerichtsentscheidung, der sich abzeichnende politische Trend und die allgemeine Verunsicherung bei privaten und gewerblichen Nutzern von Dieselfahrzeugen für die OMV Deutschland und den Raffinerie-Standort in Burghausen? Wird man sich hier in Zukunft mit Diesel für Lokomotiven über die Runden retten? Oder mit mehr Heizöl? Mehr Treibstoff für Jet-Turbinen? Oder gibt es weitere Nutzungsmöglichkeiten für das Mitteldestillat, das im Produkten-Mix der Ausgangsstoffe für die chemische Industrie mit anfällt?

Dr. Gerhard Wagner:
Realität ist, dass in Deutschland aktuell rund 20 Millionen Dieselfahrzeuge (15 Mio PKW, 5 Mio Nutzfahrzeuge; Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Januar 2017) zugelassen sind. Unsere Aufgabe ist es, mit unseren Kraftstoffen die Versorgungssicherheit für Dieselfahrzeuge und andere zu gewährleisten und damit die Mobilität unserer Kundinnen und Kunden. Es ist klar, dass der Energiemix für die Mobilität der Zukunft breiter sein wird. Diese Zukunft hat in der OMV bereits vor Jahren begonnen – mit Forschungsprojekten und Investments in neue Mobilitätsthemen.

Wäre es aus Sicht der Dieselhersteller nicht wirtschaftspolitisch verantwortungsvoller gewesen, politisch frühzeitig auf das Problem zu reagieren und eine entsprechende Richtung vorzugeben, anstatt mit Schummelsoftware in der Automobil-Industrie zu tricksen? Frägt man in der Branche für Messtechnik der Luftbelastung, so hört man, das Problem der Trickserei mit der Software sei in der Fachwelt seit mindestens einer Legislaturperiode bekannt. Hätte man dann nicht auch auf Seiten der Petrochemie anders agieren können, zum Beispiel hier einen Ausstieg aus der Dieselproduktion vornehmen und Investitionen in eine andere Richtung lenken?

Dr. Wagner:
Ich Bitte um Verständnis, dass wir Fragen an andere Unternehmen nicht kommentieren können.

Sehen Sie durch den aktuellen Trend die Wirtschaftlichkeit des Raffineriestandorts Burghausen gefährdet, falls der absehbare Absatz beim Diesel nicht durch andere Produkte, zum Beispiel mehr Jet-Treibstoff kompensiert werden kann. Beim Ausbauprojekt des Flughafens München wird ja politisch auch eher gemauert als gebaut.

Dr. Wagner:
Nein. Wir setzen am Standort Burghausen schon immer konsequent auf den Wachstumssektor Petrochemie und Flugturbinentreibstoff. Gleichzeitig arbeitet die OMV an Energielösungen für die Mobilität der Zukunft. Diese umfassen die Wasserstoff-Mobilität ebenso wie Schritte in Richtung Elektromobilität – etwa mit dem geplanten Einstieg beim Joint Venture SMATRICS.

Oder gibt es vielleicht eine chemische Lösung, durch – salopp gesagt – eine andere Rezeptur für Dieseltreibstoffe?

Dr. Wagner:
Wir arbeiten aktiv an der Zukunftsfähigkeit unserer Treibstoffe und Produkte im Sinne der Dekarbonisierung. Beispiel Co-Prozessing: Ziel ist die Beimischung von biogenen Anteilen bereits zu Beginn des Raffinierungsprozesses – Verarbeitung gemeinsam mit Rohöl. Bringt entscheidende Vorteile im Vergleich zur späteren Beimischung. Zum Beispiel: Re-Oil: Ziel ist die Beimischung wertvoller Kunststoffe aus dem Recycling ebenfalls zu Beginn des Raffinierungsprozesses. Gleichzeitig entwickelt die OMV ihre Kraftstoffe unter Einhaltung aller gesetzlichen Normen und Vorschriften kontinuierlich weiter. Insbesondere auch unter dem Aspekt der Optimierung des Verbrennungsvorgangs im Motor, um Emissionswerte weiter zu senken und die Umwelt zu schonen.

Welchen Ausweg aus der aktuellen Misere sehen Sie?

Dr. Wagner:
Es gilt den Verlauf der weiteren Entwicklungen abzuwarten. Erst dann können nach einer Analyse der Situation die richtigen Schlüsse gezogen und gegebenenfalls notwendige Maßnahmen abgeleitet werden.Wie bereits eingangs erwähnt ist uns klar, dass der Energiemix für die Mobilität der Zukunft breiter sein wird. Diese Zukunft hat in der OMV bereits vor Jahren begonnen – mit Forschungsprojekten und Investments in neue Mobilitätsthemen.

Quelle: Passauer Neue Presse

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