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8. Juli 2017 - Passauer Neue Presse

Technologie für einen sicheren Weltraum

Bayern Chemie entwickelt und baut Technik zur Rückholung von Weltraumschrott

Aschau.
Herumfliegender Weltraumschrott kann Satelliten zerstören und so beispielsweise das Mobilfunknetz zum Zusammenbruch bringen. Geschätzt weit über 100 Millionen Objekte umkreisen zurzeit die Erde. Die Bayern-Chemie mit Sitz in Aschau am Inn trägt mit ihrer Kompetenz im Raketenantrieb zur Lösung dieses zunehmenden Problems bei. Vor kurzem wurde ein Satellit mit De-Orbiting System gestartet.

Die Herausforderung: Einerseits müssen große Schrottteile wie zum Beispiel ausgebrannte Raketenstufen oder inaktive Satelliten zurückgeholt werden. Andererseits müssen zukünftige Satelliten mit einem System ausgestattet werden, das die kontrollierte Rückkehr der Satelliten sicherstellt.

Für solche De-Orbiting-Missionen entwickelt und produziert die Bayern-Chemie kostengünstig robuste Feststoff-Raketenmotoren mit der Möglichkeit zur modularen Erweiterung. Sie helfen, inaktive Satelliten kontrolliert zum Absturz zu bringen. Zur Vermeidung von Kollateralschäden geschieht dies über unbewohntem Gebiet. Aktuell liefert Bayern-Chemie Feststoffmotoren für Kleinsatelliten an die Firma D-Orbit in Italien.

„Das De-Orbiting wird neben den Vermeidungsstrategien von Weltraummüll weiter an Bedeutung zunehmen. Die Bayern-Chemie ist durch ihre langjährige Erfahrung in der Lage hier Verantwortung zu übernehmen und international einen substanziellen Beitrag zu leisten“, erklärt Dr. Wolfgang Rieck, Geschäftsführer der Bayern-Chemie. Die Bayern-Chemie ist ein globaler Technologieführer für Lenkflugkörper und Raumfahrtantriebe mit mehr als 60 Jahren Erfahrung in der Entwicklung und Produktion von regelbaren Feststoff-Staustrahlantrieben, Hochleistungsantrieben mit Ein- und Mehrfachpulstechnologie, regelbaren Antrieben mit Gel-Treibstoffen und Gasgeneratoren sowie Technologieprojekte auf dem Gebiet der luftatmenden Antriebe.

Die Bayern-Chemie hat in Aschau in den 70er Jahren nicht nur das Prinzip des modernen Airbags auf Basis von Festtreibstoff-Gasgeneratoren erfunden. Hier wurde in den Jahren 2000 bis 2011 auch das modernste Staustrahl-Triebwerk entwickelt und wird seit 2012 im Projekt Meteor gefertigt. Meteor ist eine Luft-Luft-Rakete, die in den Luftwaffen von Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden und Großbritannien zum Einsatz kommt. Sie erreicht laut Herstellerangaben eine Geschwindigkeit von über dreifacher Schallgeschwindigkeit, hat eine zielgenaue Reichweite von rund 150 Kilometern, ist während der gesamten Flugdauer steuerbar und übertrifft in ihrem Leistungsspektrum laut Hersteller alle konkurrierenden Systeme. Geliefert wird nur an Nato-Streitkräfte und befreundete Länder unter den strengen Ausfuhrkontrollen für Wehrtechnologie.

Meteor, in der Fachsprache ein BVRAAM (= beyond visual range air-to-air missile), ist die Entwicklung eines europäischen Firmenkonsortiums unter Führung von Matra British Aerospace Dynamics (MBDA) zusammen mit LFK Lenkflugkörpersysteme, Saab-Dynamics, GEC Marconi und Alenia. Die Bayern-Chemie ist in diesem Konsortium für die Antriebstechnik verantwortlich.

Seit 2014 bringt das Unternehmen seine technologischen und methodischen Kernkompetenzen gezielt im zunehmend kommerzialisierten und schnell wachsenden Raumfahrtmarkt ein. Das breite Technologieportfolio bietet dabei Anwendungspotential für Forschungsraketen, Satelliten, Launcher und weitere Plattformen.

Die Bayern-Chemie mit Sitz in Aschau am Inn ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen des MBDA-Konzerns und fungiert innerhalb des Konzerns als Kompetenzzentrum für Raketenantriebe.

Zu den bedeutendsten Produktionen der Bayern-Chemie zählten in den Jahren 1987 bis 1996 über 2300 Raketenmotore für das Patriot-System, das als Luftabwehrsystem im Golfkrieg bekannt wurde. Mittlerweile wurden auch rund 300 Antriebssysteme für Flugkörper des Typs Meteor gefertigt und ausgeliefert. Rund 2000 Antriebssysteme   sind in Auftrag. 

Quelle: Passauer Neue Presse

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