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8. April 2017 - Burghauser Anzeiger

Die Zukunft heißt Sonnenstrom

Nachfrage nach Polysilicium wächst und wächst – 20 Prozent von Wacker

Burghausen.
„Photovoltaik – vom Polysilicium zum Sonnenstrom“ so hieß der Vortrag von Dr. Wolfgang Storm im Rahmen des Wacker Wissensforums. Rund 500 Zuhörer erfuhren viel über die Entstehung des Stoffs und dessen Zukunft auf dem Sonnenstromsektor. Laut Dr. Storm werde die weltweite Photovoltaikbranche bis zum Jahr 2060 um 15% bis 25% wachsen. Die Wacker Chemie besetze derzeit rund 20 Prozent des Weltmarktes und produziere global gesehen das reinste Polysilicium.

Wolfgang Storm spannte umriss kurz die Geschichte des Siliciums (engl.: Silicon) am Standort Burghausen. Der Referent konzentrierte sich vornehmlich auf die rasante Entwicklung im Photovoltaikbereich. Polysilicium ist das Basis für die Sonnenstrommodule. Gewonnen wird dieses aus Quarz, das 26% unserer Erdkruste ausmacht. Mittels aufwendiger Verfahren wird zunächst Silicium, das eine 98-prozentige Reinheit aufweist gewonnen. Diese Sauberkeit reicht zur Weiterverarbeitung in der Stahlindustrie. Die Wacker Chemie erreiche einen Reinheitsgrad von 99.999999 Prozent. „Das ist Grundlage für die bestmögliche Effizienz der Module“, erklärte Dr. Storm. Dabei muss Silicium mittels eines chemischen Prozesses in einen flüssigen Zustand gebracht werden, um destilliert werden zu können. Danach scheidet sich das hochreine Polysilicium an Stäben ab, wird gebrochen, gereinigt und an die Kunden verkauft. Die monokristalline Variante ist teurer, dafür aber effektiver als die multikristalline. Derzeit liege die Effektivität bei Stromausbeute bei knapp über 20% (monokristallin) und knapp unter 20% (multikristallin).

Storm unterstrich die Nachhaltigkeit, die auf Sonnenstrom liege. Elektrochemie wie sie als Basis der Polysilicium-Produktion zu finden ist, benötigt extrem viel Energie. Es müssen je nach Arbeitsschritt zwischen 1000 und 2000 Grad erreicht werden. Wie Storm bemerkte, sei die Lernkurve in diesem Bereich sehr steil. Neue Abscheidevorgänge, Konverter und eine stetige Optimierung des Prozesses ließen den Energieverbrauch seit 2005 um 40 Prozent nach unten gehen. Gleichzeitig steigerte sich die Arbeitsproduktivität durch die Verringerung des Ausschusses, Automatisierung und einen deutlich erhöhten Absatz um das 2,7-fache. „Eine Verdopplung des Absatzes führte zu einer Preissenkung von 23 Prozent“, so Wolfgang Storm weiter.

Faszinierend ist auch der Verlauf, der anzeigt, wie schnell sich eine Photovoltaikanlage mittlerweile amortisiert. 1970 dauerte es noch 15 Jahre, bis das Kapital für die Investition erwirtschaftet war. 1990 waren es noch fünf Jahre, heute nur noch knapp zwölfMonate. Außerdem benötigt die Erzeugung des Sonnenstromes ähnlich wenig CO2 wie Strom aus Wind oder Wasser. „Auch das Recycling ist geregelt, bevor die ersten großen Mengen anfallen“, erklärte Storm. Photovoltaik werde zudem als erstes stromerzeugendes Produkt in die Ökodesignrichtlinie der EU aufgenommen. Diese regle die umweltgerechte Herstellung europäischer Produkte.

Die Wacker Chemie AG ist der europaweit führende Hersteller des PV-Grundstoffes Polysilicium. Weltweit rangiert Bayerns global agierender Chemieriese hinter vier Chinesen auf dem 5. Platz. „Wir halten etwa 20 Prozent des Weltmarktes und produzieren das reinste Polysilicium“, unterstrich Storm. Dieser Geschäftsbereich macht mit rund einer Milliarde Euro Umsatz knapp 25% des gesamten Konzernumsatzes aus. 50 Prozent des Produktes werden in Burghausen und jeweils 25% in Nünchritz und Charleston (USA) hergestellt. Die steile Absatzkurve zeigt stetig nach oben. 2006 wurden weltweit noch unter 50 Kilotonnen nachgefragt, wobei Wacker deren sechs verkaufte. 2017 werden es geschätzte rund 400 Kilotonnen sein, wobei Wacker um die 80 liefern wird. Der Vorteil der immer kostengünstigeren Herstellung und sehr schnellen Amortisierung öffnet den Weltmarkt in rasanter Weise. Im letzten Jahr baute Südkorea mit 1300 Megawatt am meisten zu. Auf den Plätzen folgten Chile (900 MW) und Thailand (800 MW). Indien ist in diesem Bereich noch ein schlafender Riese. „Photovoltaik ist auf dem Weg, eine der wichtigsten Energiequellen zu werden. Wacker ist ein Teil davon“, unterstrich Dr. Wolfgang Storm abschließend.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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