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7. November 2017 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

Name wechselte, musikalische Qualität blieb

Symphonisches Blasorchester Werk Gendorf blickt auf 70 Jahre zurück – Herbstkonzert am kommenden Freitag

Burgkirchen.
Das Symphonische Blasorchester Werk Gendorf e.V. wird beim Jubiläums-Herbstkonzert am Freitag, 10. November, um 19.30 Uhr im Betriebsrestaurant des Chemieparks Gendorf auf sein 70-jähriges Bestehen zurückblicken. Der Eintritt ist wie immer frei, Spenden für einen guten Zweck sind erwünscht. Auch für den Dirigenten ist 2017 ein Jubiläumsjahr: Klemens Wimbauer wurde heuer 50 Jahre alt.

Der Klangkörper wurde im Jahr 1947 als Werksblasorchester gegründet. Der genaue Gründungstag kann nicht mehr festgestellt werden. Bekannt ist nur, dass sich in diesem Jahr eine Anzahl Musiker, 15 bis 20 Männer, zusammenfanden, um aus Freude am Spiel zu musizieren. Als es am 22. April 1953 zur Neugründung der Anorgana GmbH kam, spielten diese Männer auch bei der „Anorgana-Blasmusik“ mit. Für diese „Männer der ersten Stunde“ war es schwierig durchzuhalten. Zu jener Zeit gab es kaum Notenmaterial; Neudrucke gab es gar nicht. Instrumente zu beschaffen, war ein aussichtsloses Unterfangen. Vorhandene Instrumente waren persönliches Eigentum der Musiker. Andere Instrumente stammten aus ehemaligen Wehrmachtsbeständen.

Die Leitung der damaligen „Anorgana-US-Administration“ und später der Anorgana GmbH tolerierten die Bestrebungen und die Proben im Werksgelände. Der erste große Förderer des Werksblasorchesters war der Anorgana-Werksleiter Dr. Karl Huttner. Der erste Dirigent war Josef Hölzl, der mit anderen auch Tanzmusik machte und ebenso auf Volksfesten spielte. Ihm folgten weitere Dirigenten, bis zu Beginn der Fünfzigerjahre ein Mann ins Werk Gendorf kam, dessen Wirken die musikalische Szene in Burgkirchen und weit darüber hinaus prägte – Josef Nigl.

Prägender Dirigent: Josef Nigl
In Hauzenberg im Bayerischen Wald geboren, hatte Josef Nigl in München studiert und die Dirigentenkunst an der staatlichen Akademie der Tonkünste erlernt. Er übernahm die Leitung des Werkschores und des Werksblasorchesters. Am 13. September 1952 fand das erste Konzert unter Leitung dieses hervorragenden Dirigenten statt. 1954 verließ Josef Nigl das Werk Gendorf, um höhere Aufgaben zu übernehmen. Sein Nachfolger wurde Josef Niederhammer. Ihm folgte Josef Volk.

Am 2. Dezember 1955 wurde die Anorgana GmbH ein Werk der Farbwerke Hoechst AG. Auch zu diesem besonderen Ereignis spielte das Werksblasorchester vor prominenten Gästen, den bayerischen Staatssekretären Dr. Willi Guthmuths, Heinrich Krehle und Dr. Richard Ringelmann sowie dem Vorstandsvorsitzenden der Hoechst AG, Prof. Dr. Karl Winnaker. Ein Förderer der Blasmusik war zu dieser Zeit der Leiter der Personal-, Sozial- und Rechtsabteilung des Werkes Gendorf, Landesgerichtsrat a.D. Werner Linn. Er veranlasste, dass zu Beginn der Sechzigerjahre das Werksblasorchester seine erste einheitliche Bekleidung erhielt. Auch der Betriebsratsvorsitzende des Werkes, Josef Kölbl, achtete auf das Werksblasorchester.

1965 kam Josef Nigl, nachdem er einige Zeit als Solorepetitor an der Staatsoper München gewirkt hatte, ins Werk Gendorf zurück. Erneut übernahm er das gesamte Musikgeschehen im Werk. Durch viele Konzerte im Werk und außerhalb schuf sich das Orchester unter dem Dirigenten Nigl einen hervorragenden Namen.

Höhepunkte waren das Konzertieren in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst und die Teilnahme am Höchster Schlossfest. Josef Nigl legte im Jahr 1982 den so lange geschwungenen Taktstock aus der Hand. Er starb am 30. August 1985.

Sein Nachfolger wurde für kurze Zeit Josef Schacherbauer. Ab 1983 leitete Helmut Unterstein das Werksblasorchester. Mit diesem Dirigenten änderte sich das Erscheinungsbild: Die Altöttinger Tracht war nun die typische Kleidung. Knapp 40 Musiker, eine gute Mischung aus älteren, sehr erfahrenen und jungen, begeisterungsfähigen Musikanten, spielten unter der Leitung von Helmut Unterstein. Er sorgte dafür, dass das Orchester sowohl gute Volksmusik als auch anspruchsvolle Musik darbieten konnte.

Zahl der Musiker wuchs stetig
Nach der Zerteilung der Hoechst AG wurde das Orchester ab 1998 von der InfraServ GmbH & Co. KG weitergeführt. 2001 übergab Helmut Unterstein den Taktstock an Klemens Wimbauer, der die Kapelle zu einem symphonischen Blasorchester formte. Die Anzahl der Musiker wuchs auf 50 bis 60. Der Klang wurde ausgeglichener, der Musikstil erweiterte sich um Musicals, Musik zeitgenössischer Komponisten, Big-Band-Sound und Filmmusik. Natürlich immer verbunden mit klassischer Musik und bayerischer Blasmusik.

Klemens Wimbauer hatte ab seinem achten Lebensjahr Musikunterricht erhalten, zuerst auf der Trompete. Im Alter von neun Jahren begann er in verschiedenen Ensembles mitzuspielen, zum Beispiel in der Blaskapelle Reischach, der Swing-Street-Big-Band Mühldorf und in Gendorf. Über den Musikbund für Ober- und Niederbayern kam Klemens Wimbauer von 1991 bis 1993 zu einer Dirigenten-Ausbildung. An der Musik-Akademie in Marktoberdorf legte er die Prüfung zum „Dirigenten mit staatlicher Anerkennung im Laienmusizieren“ ab.

In Reischach, wo der Dirigent wohnt, war er lange Zeit auch ehrenamtlich tätig. Von 1991 bis 2013 dirigierte er die Blaskapelle Reischach. Zusätzlich leitete er von 2005 bis 2007 die Bläserklasse „BlasKids“ im Musikverein Reischach. Wegen Überlastung gab Klemens Wimbauer jedoch seine Ehrenämter ab. Hauptberuflich wurde der Musiker zum Quereinsteiger: Der Diplom-Informatiker wechselte bei der InfraServ Gendorf in den strategischen Einkauf.

2013 wurde das Orchester in einen eigenständigen Verein überführt. Der Name wurde geändert in „Symphonisches Blasorchester Werk Gendorf“. Mit dem Namen änderte sich auch das Erscheinungsbild: Heute werden die Konzerte in klassischem Schwarz mit blauem Schal gegeben. In der traditionellen Tracht gibt es noch Unterhaltungsmusik für Betriebsfeiern, Ständchen für Einweihungsfeiern oder Jubiläen. Wenn die Musiker Beerdigungen begleiten, tragen sie ihre traditionellen Anzüge.

Die Vorstandschaft des Vereins setzt sich zusammen aus der Vorsitzenden Kathrin Räcker, Werner Dostler (stellvertretender Vorsitzender), Rita Auberger (Schatzmeisterin), Leoni Sandhöfner (Schriftführerin) und Klemens Wimbauer (künstl. Leiter).

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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