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7. Oktober 2017 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

PFOA: Darum dauert es so lange

Genehmigungs- und Plandetails sorgen für Verzögerungen – Filteranlagen kosten rund drei Millionen Euro

Burgkirchen.
Hinstellen, anschließen, fertig – so in etwa stellt man sich als Laie den Einbau von Aktivkohlefiltern zum Reinigen des Trinkwassers von PFOA vor. Warum also dauert es so lange, bis das Werk Gendorf die gefährdeten Brunnen der Anliegergemeinden auf Vordermann bringt? Die Heimatzeitung hat bei InfraServ nachgefragt. Dort zeigt sich, dass die Realität weit von den Vorstellungen abweicht.

In den Stadt- und Gemeinderatsgremien ist in den vergangenen Wochen der Unmut in Sachen PFOA gewachsen. Schon zur Jahresmitte hin hatten sich die Kommunen Kastl und Burgkirchen auf der einen sowie Altötting und Neuötting auf der anderen Seite darauf geeinigt, dass ihre im Altöttinger Forst gelegenen Brunnen mit Aktivkohlefiltern ausgerüstet werden sollen, um so der zunehmenden PFOA-Belastung zu begegnen.

Bau und Finanzierung der Anlagen hatte der Chemiepark zugesagt, nachdem seit 2016 zweifelsfrei feststeht, dass der als krebserregend geltende Stoff aus früheren Produktionsabläufen des Werkes stammt. Bis Ende 2017, so lautete die Hoffnung, könnten für Burgkirchen/Kastl und Altötting/Neuötting Anlagen stehen.

Mittlerweile steht fest, dass es später wird. Mit „Mitte 2018“ rechnet Godehard Mayer, der Leiter des Genehmigungsmanagements bei InfraServ – sofern es das Werk nicht mehr mit unerwarteten Hürden zu tun bekommt. Zuletzt war das gleich mehrfach der Fall gewesen, etwa bei den notwendigen Genehmigungen. Denn auch wenn die PFOA-Thematik dringlich ist, gibt es für den Chemiepark keine behördliche „Extrawurst“. Bauanträge, Beprobungen, Auflagen, Stellungnahmen – alles läuft Mayer zufolge wie bei einem x-beliebigen anderen Projekt auch. „Und das dauert einfach.“

Im Fall Kastl etwa wollte InfraServ die für die Filter notwendige Halle ursprünglich direkt neben den Brunnen errichten. Doch wegen der Lage im Wasserschutzgebiet seien bereits die Auflagen für die Bauvoruntersuchungen kaum zu erfüllen gewesen. Die Folge war, dass das 20 auf 15 Meter große Gebäude jetzt einen Kilometer weiter entfernt gebaut werden soll. Dort aber ist nicht mehr die Gemeinde Grundeigner, sondern der Freistaat – und darum will auch die Forstbehörde ein Wörtchen mitreden.

Solchen Vorgängen seien die Verzögerungen geschuldet, erklärt Godehard Mayer, dessen Team sich in der Sache mit Umwelt-, Gesundheits-, Wasserwirtschaftsamt und anderen Behörden abstimmen muss, ebenso mit den Kommunen. Dazu kommen nach den Plänen und Genehmigungen noch die Ausschreibungen für den eigentlichen Bau der Anlagen.

Zumindest für das für Kastl und Burgkirchen vorgesehene Filtersystem ist Mayer zufolge mittlerweile der Bauantrag gestellt. Vorgesehen sind sechs Filter, die in drei Blöcken betrieben werden. Größe und Kapazität entsprechen damit dem Dreifachen dessen, was seit Jahren beim Alzgerner Brunnen des Wasserzweckverbands Inn-Salzach im Einsatz ist.

Für Alt-/Neuötting ist ein vergleichbares System geplant, möglicherweise sogar mit einem siebten Filter ausgestattet. Wie die Kastler Anlage soll es im Sommer 2018 in Betrieb gehen. Pro Anlage rechnet InfraServ dabei mit etwa eineinhalb Millionen Euro Kosten.

Zu den Investitionen kommen für das Werk die künftigen Betriebskosten, deren Übernahme InfraServ bereits zugesagt hat – sowohl für die neuen Anlagen, als auch für die bestehende der Inn-Salzach-Gruppe. Offen ist hingegen, wie es mit den zurück liegenden Ausgaben des Haiminger Verbandes aussieht. Aufgrund der hohen PFOA-Werte setzt man dort bereits seit Jahren Aktivkohlefilter ein – auf eigene Kosten. Der Verband fordert rückwirkend Erstattung, nachdem die Verursacherfrage mittlerweile eindeutig beantwortet ist. „Wir befinden uns im Gespräch“, sagt Godehard Mayer dazu. Ein Ergebnis stehe aber noch aus.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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