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5. August 2017 - Passauer Neu Presse

Softmatic AG wird zur AlzChem Group AG

Hauptversammlung entscheidet wie erwartet – Änderung des Geschäftsjahrs nach Abstimmung mit Finanzamt

Trostberg/München.
Die Würfel sind gefallen. Mit jeweils über 99 Prozent Zustimmung haben gestern die Aktionäre der Softmatic AG der Einbringung der AlzChem AG in die Softmatic AG, die seit rund 15 Jahren kein operatives Geschäft mehr hatte, zugestimmt. Präsent waren in der Hauptversammlung im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München rund 74 Prozent der stimmberechtigten Anteile. Rund 72,4 Prozent der Anteile entfallen ohnehin auf den Investor LIVIA Corporate Development SE, wie bereits ausführlich in der vergangenen Samstagsausgabe berichtet.

Im Zuge der Einbringung der AlzChem AG in die Softmatic AG mit aktuellem Sitz in Norderstedt bei Kiel wird die Softmatic in „AlzChem Group AG“ umbenannt und mit dieser Firmierung zunächst den Sitz in Norderstedt haben, um dann nach Trostberg verlegt zu werden. Durch diesen zweistufigen Weg, so die Erklärung, soll keine Verwirrung bei den Zuständigkeiten der Registergerichte für die Umfirmierung und dann für die Ummeldung entstehen.

Die AlzChem AG hat gemäß eines im Auftrag der Softmatic AG durch die S&P GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erstellten Gutachtens „einen objektivierten Unternehmenswert in Höhe von 250,95 Millionen Euro“. Die Aktionäre der AlzChem AG werden gegen Einlage aller 11 Millionen ausstehender Aktien der AlzChem AG zur Übernahme von insgesamt 100 323 339 neuen, auf den Inhaber lautenden Stückaktien mit einem Anteil am Grundkapital von 1 Euro je Stückaktie der Softmatic AG zugelassen.

Das Grundkapital der Softmatic AG wird dadurch von 310 000 Euro um 100 323 339 auf 100 633 339 Euro erhöht. Die neuen Aktien sollen ab dem 1. Januar 2017 gewinnberechtigt sein und zu einem Gesamtausgabebetrag von insgesamt 230 743 679,70 Euro, also zu einem Ausgabebetrag von 2,30 Euro je Stückaktie, ausgegeben werden.

Kritische Fragen von Altaktionären der Softmatic AG zielten auf die vermeintliche Diskrepanz zwischen einem ursprünglichen Grundkapital der AlzChem AG von einer Million, dann von elf Millionen Euro, und einem ermittelten Unternehmenswert von rund 250 Mio Euro, aber auch nach einer Barausschüttung in Höhe von rund 17,7 Mio Euro und einer Sachwertzuteilung bei der AlzChem AG im Frühjahr dieses Jahres sowie möglicher Einflüsse auf die künftige Finanzausstattung der neuen „AlzChem Group AG“ .

Das Grundkapital sei in diesem Kontext zunächst mal als formelle Größe zu betrachten, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Softmatic AG, Maik Brockmann. Der tatsächliche Marktwert des Unternehmens sei mit der Bewertung durch die durch die S&P GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft treffend wiedergegeben.

Zur Barausschüttung und Sachwertzuteilung erklärte er, dass diese Ausschüttungen im Rahmen ursprünglicher Vereinbarungen bei der AlzChem AG und aus steuerlichen Gründen gesplittet an die Alteigentümer erfolgt seien. Die Sachwertzuteilung umfasst sechs Prozent der Anteile am Tochterunternehmen „AlzChem International GmbH“. Diese Ausschüttungen seien in der Unternehmensbewertung berücksichtigt und die Finanzierung weiterer Investitionen sei in jedem Fall gesichert – entweder durch die künftige Marktkapitalisierung oder durch Bankkredite. Erste Gespräche mit Blick auf geplante Investitionen im kommenden Jahr seien bereits erfolgversprechend gelaufen.

Den hohen Unternehmenswert der AlzChem sieht Maik Brockmann auch durch einen Produktmix, aber vor allem auch „durch die guten Perspektiven“ für die Produkte Creamino und Creapure gegeben. AlzChem ist der einzige Hersteller außerhalb Chinas, der Kreatin herstellt. (Anmerkung der Red.: Kreatin (von griechisch kreas, ‚Fleisch‘) ist eine organische Säure, die in Wirbeltieren unter anderem zur Versorgung der Muskeln mit Energie beiträgt. Kreatin wird in der Niere, der Leber und in der Bauchspeicheldrüse synthetisiert. Creapure und Creamino sind Markennamen der AlzChem auf der Basis von Kreatin). Eine Studie des Beratungsunternehmens Frost & Sullivan sehe auf dem Weltmarkt ein enormes Nachfragepotenzial.

Anerkennung bei einer Hand voll anwesender Altaktionäre der Softmatic AG fand, dass die optimistischen Prognosen der AlzChem AG für das laufende Geschäftsjahr bereits nach oben korrigiert wurden.

Neu in den Aufsichtsrat der „AlzChem Group AG“ wurden gewählt: Markus Zöllner, Prof. Dr. Martina Heigl-Murauer, Dr. Caspar Freiherr von Schnurbein und Rechtsanwalt Steve Röper.

Beschlossen wurde auch, bis zum 31. Juli 2022 das Grundkapital der Gesellschaft mit Zustimmung des Aufsichtsrats um insgesamt 10 063 333 Stückaktien gegen Bar- oder Sacheinlage zu erhöhen.

Geändert werden soll überdies das Geschäftsjahr, das bisher dem Kalenderjahr entsprochen hat. Es soll künftig ab dem 1. Juli 2018 beginnen; vor einem Wirksamwerden sollen allerdings noch Details mit dem zuständigen Finanzjahr geklärt werden. Beschlossen wurde auch ein Gewinnabführungsvertrag der AlzChem AG mit der neuen Holding als herrschendem Unternehmen. „Der Anspruch auf Gewinnabführung entsteht“ laut Beschluss „zum Stichtag des Jahresabschlusses für das jeweils abgelaufene Geschäftsjahr und wird zu diesem Zeitpunkt fällig.“

Die Aktie der Softmatic notierte gestern bei Redaktionsschluss bei 14,55 Euro. Den Tiefststand hatte sie in den vergangenen zehn Jahren am 17. Juli 2012 bei 0,31 Euro, den absolute Höchststand am 19. Oktober 2015 bei 38 Euro. Am 8. März notierte sie heuer bei 10 Euro. Den Höchststand erreichte der Kurs heuer am 5. April mit 26 Euro.

Quelle: Passauer Neue Presse

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