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5. Februar 2018 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

Lachen über Physik und Zikaden-Sex

Volles Haus beim 3. Gendorfer Science Slam – Wissenschaftler brachten Laien ihre Forschung nahe

Burgkirchen.
Rührreibschweißen. Immun-Checkpoint-Inhibitoren. Windenglasflügelzikaden. Wie, davon haben Sie noch nie etwas gehört? Wären Sie am Freitagabend beim 3. Gendorfer Science Slam gewesen, hätten Sie diese Begriffe nicht nur gehört, Sie hätten auch grundlegend verstanden, was hinter diesen Begriffen steckt. Und Sie hätten gelacht. Gut, manchen Witze hätten Sie vielleicht nicht verstanden, während die Zuhörer neben Ihnen kicherten. Aber irgendwie ist das ja auch ein Bewertungskriterium bei einem Science Slam.

Denn das Publikum stimmt nach den zehnminütigen Vorträgen ab, welcher davon gewonnen hat. In Gendorf bildeten sich dazu Gruppen, die gemeinsam votierten bezüglich der Kategorien Slam – man könnte sagen: Witzigkeit – und Science – also: wissenschaftliche Präsentation und Verständlichkeit. Moderator Philipp Schrögel, selbst Wissenschaftler, mit Unterstützung von Samuel Höre, der 2017 den Junior Science Slam gewonnen hat, fragten zwischen den Vorträgen auch ab , was hängen geblieben ist – Smartphones, Tablets und WiFi machen es möglich.

Sie präsentierten zunächst ein Trio von Schülern des Gymnasiums Niederalteich, die außer Konkurrenz auftraten. Simon Pernpeintner, Lukas Bachmann und David Pfeffer erklärten, wie Töne entstehen. Bei ihnen hat schon funktioniert, was sich Dr. Bernhard Langhammer, Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf, die den Slam wieder organisiert hatte, erhofft: Science Slams sollten „Wissenschaft für junge Menschen interessant machen“.

Die fünf Slammer, so heißen die vortragenden Wissenschaftler bei einem Science Slam, hatten dazu sehr unterschiedliche Disziplinen zur Verfügung. Und manche von ihnen nutzen Allgemeinverständliches als Brücke zu den Laien:

Sex – allerdings jener der Windenglasflügelzikaden – ist das Thema von Susanne Grube. Die Biologin stellte die Werbungstänze und die Paarung der Tierchen mit einem Freiwilligen aus dem Publikum nach. Brachte manche im Publikum ins Grübeln mit Sätzen wie: „Der Genitalapparat des Männchens ist einen Millimeter groß. Bei einer Gesamtgröße von vier Millimetern. Rechnet mal nach!“

Gewalt und Schokolade halfen dem amtierenden Deutschen Science Slam-Meister dabei, wirklich äußerst verständlich die Technik des „Rührreibschweißens“ zu präsentieren. „Was nicht mit Gewalt geht, geht mit noch mehr Gewalt“, ist ein Satz, der hängenbleibt. Dass Martin Werz seinen schwäbischen Dialekt einsetzte, machte es noch lustiger. Am Ende des Vortrags verteilte er geschweißte Schokolade im Publikum.

Romantik und Physik? So wie Philipp Gadow in einer an die Wand projizierten Präsentation Elementarteilchen illustrierte, hatte es schon etwas Niedliches. Er setzte dem Ganzen auch noch ein: „Ich find’s sehr süß!“ hinzu. Auch wenn er damit das Image des nervigen Physikers auf die Schippe nahm: Seine Erklärungen, wie nach dunkler Materie gesucht wird, waren gut zu verfolgen und es war spürbar, dass er sein Forschungsgebiet sehr mag.

Poesie und Physik? Bei Lena Appel geht das zusammen. Sie sprach über die Rolle von Immun-Checkpoint-Inhibitoren in der Behandlung von Tumoren. Dabei spielte sie Körperzellen im Dialog miteinander und das in Reimform. Im Gegensatz zu Comedy musste sie beim Spielen aber keine Menschen ins Lächerliche ziehen, sondern nur Zellen – deren Gefühle nicht verletzt werden können.

Fremdsprachen-Fehler hat jeder selbst bereits gemacht. Die aus dem US-Bundesstaat Wisconsin stammende Sprachwissenschaftlerin Carrie Ankerstein outete sich gleich mal mit ihrem: So habe die das Wort „schwül“ wegen ihres englischsprachigen Gehirns als „schwul“ ausgesprochen. Und aus ähnlichen Gründen könnten viele Deutsche das Wort „village“ für Dorf nicht richtig aussprechen.

Das Publikum kürte am Ende Susanne Grube zur Siegerin des 3. Gendorfer Science Slams. Sex ist ein populäres Thema. Den langen Namen der Windenglasflügelzikaden konnten sich viele im Publikum wahrscheinlich nicht merken. Die Tatsache, dass Zikaden-Weibchen stumm sind, dagegen schon. Vielleicht liegt das daran, dass Susanne Garbe das Zitat des griechischen Dichters Xenarchos ins Spiel brachte: „Glücklich leben die Zikaden; denn sie haben stumme Weiber.“ Aber ob das stimmt? Der Mann war Künstler, kein Wissenschaftler!

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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